LeseTipp: John STEINBECK, Wonniger Donnerstag.

USA/Kalifornien/John Steinbeck/Roman/

 John STEINBECK: Wonniger Donnerstag. John STEINBECK: Wonniger Donnerstag.
(Sweet thursday., 1954)
238 S., ISBN: 978-3-423-10776-1
dtv 10776
München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 2006

Bewertung
Bewertung: 4 Sterne

Rezension

Alles anders und doch immer gleich.
Der Zweite Weltkrieg hatte auch Auswirkungen auf Monterey und die Cannery Row. Die Konservenbetriebe liegen still, denn es gibt keine Sardinen mehr. Doc wurde eingezogen und kehrte zwei Jahre nach Kriegsende zurück. Lee Chong hat seinen Kramladen an einen Mexikaner verkauft und ist mit einem Boot weggefahren. Macks Freund Gay fiel im Krieg, aber sein Platz im Palace blieb unverändert. Dora Flood, Betreiberin des Freudenhauses "Flotte Flagge", ist verstorben. Den Betrieb hat ihre ältere Schwester, Fauna genannt, übernommen. Henri der Maler verkaufte sein Boot, das niemals fertig geworden war, und verließ Monterey.
Doc bringt seine "Western Biological Laboratories" wieder in Schwung, aber er ist auch nicht mehr der Alte. Eine innere Unruhe lässt ihn nicht los. Er beschließt, eine Abhandlung über Tintenfische zu schreiben, aber es fehlt ihm ein hochauflösendes Mikroskop, das er dafür zu benötigen meint. So sitzt er mit gespitzten Bleistiften vor einem leeren Schreibblock und wird immer unruhiger.
Fauna meint, Doc fehle eine Frau. Und als Suzy, ein neues Mädchen, zu ihr kommt, aber als Freudenmädchen völlig ungeeignet ist, beschließt sie, Doc und Suzy zu vereinen, was allerdings zunächst schief geht. Und Mack veranstaltet eine Lotterie, um Doc ein ordentliches Mikroskop kaufen zu können. Alles geht wie immer seinen Weg und ist doch anders.
Fortsetzung von Die Straße der Ölsardinen (Cannery Row).
Fazit: John Steinbeck zeichnet das Bild eines Nachkriegs-Amerikas, das sich langsam vom Industrie- zum Dienstleistungsstaat wandelt. Aber diesmal stehen mehr die Personen - Doc, Mack, Hazel, Fauna, Suzy - im Vordergrund. Jede von ihnen hat einen guten Kern, auch wenn man ihn äußerlich leicht übersieht. Auch Außenseiter dürfen noch in dieser Welt leben...

Monterey hatte sich verändert; die Cannery Row und ihre Anwohner ebenfalls. Und auch mit Doc ging eine Veränderung vor sich, gegen Wissen und Willen seiner selbst und den Gebeten seiner Freunde zum Trotz. Warum auch nicht? Die Menschen ändern sich, und die Veränderung kommt wie ein leichter Windhauch, der gegen Morgen die Vorhänge kräuselt, und wie der verstohlene Duft von Feldblumen, die im Gras verborgen blühen. Die Veränderung kann sich durch einen leichten Schmerz ankündigen, daß man meint, man habe sich erkältet. Oder man verspürt einen leisen Widerwillen gegen etwas, was man noch gestern gern hatte. Es mag auch die Gestalt eines Hungers annehmen, der mit Erdnüssen nicht zu stillen ist. Gilt nicht Heißhunger als eines der stärksten Anzeichen von Unzufriedenheit? Und ist nicht Unzufriedenheit der Hebel der Veränderung?

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