LeseTipp: James GRADY, Die letzten Tage des Condor.

USA/Washington, DC/Thriller/

 James GRADY: Die letzten Tage des Condor. James GRADY: Die letzten Tage des Condor.
(Last days of the Condor., 2015)
368 S., ISBN: 978-3-518-46685-8
TB 46685
Frankfurt: Suhrkamp TB-Verlag, 2016

Bewertung
Bewertung: 5 Sterne

Rezension

Paranoid!
Ronald Malcolm alias Vin alias Condor ist ein ehemaliger CIA-Topagent. In einem Einsatz erlitt er ein schweres Traumata und verbrachte einige Jahre in einem geheimen Irrenhaus der CIA. Jetzt hat er eine Stelle bei der Library of Congress und leidet noch immer unter Flashbacks - trotz oder wegen des Medikamentencoktails, den er einnehmen muß.
Die CIA-Agentin Faye Dozier wurde nach einem mißglückten Einsatz in Paris, bei dem sie schwer verwundet wurde, in den Routinedienst der Homeland-Security abgeschoben. Mit ihrem Partner macht sie eine Routineüberprüfung bei Malcolm. Am nächsten Tag wird ihr Partner ermordet im Haus von Malcolm gefunden, gekreuzigt mit dessen Messern am Kamin. Und Malcolm ist verschwunden.
Malcolm wird wieder zu Condor. Und er ist auf der Flucht wie damals. Und er kann niemandem trauen. Einer der zahlreichen US-Geheimdieste ist hinter ihm her, unklar welcher und warum. Oder vielleicht einer der ganz geheimen Dienste. Aber Condor ist inzwischen fast 60, eine Nacht im Freien ist fast mehr, als er ertragen kann. Und überall lauern die Überwachungskameras. Er muß Faye vertrauen, die ihn "hineinbringen" soll. Aber wem kann sie vertrauen?
Fazit: Zu viel Kontrolle führt zum Kontrollverlust, fehlendes Vertrauen zum Zerbrechen der Gesellschaft. Vertrauen ist eine zentrale Komponente sozialer Systeme, Mißtrauen kann das System untergehen lassen - so der deutsche Soziologe Niklas Luhmann. Auch wenn James Grady das wahrscheinlich nicht so im Blick hatte, sieht er die Folgen dieser schiefen Ebene vom Vertrauen zum Mißtrauen sehr deutlich. Wenn man den staatlichen Institutionen nicht mehr trauen kann, wenn die Sicherheitskräfte gegeneinander arbeiten, wenn sich die Polizisten oider Agenten nicht mehr auf den Partner, den Vorgesetzten verlassen können - dann wird die Gesellschaft das nicht auf Dauer aushalten.
Natürlich überzeichnet und übertreibt Grady die Möglichkeiten der Geheimdienste, der Überwachung und Kontrolle. Hier sind letztlich alle zu technikgläubig. Aber manches wird es schon geben, anderes in Entwicklung sein - wenn wir es nicht abwehren können, sollten wir beginnen uns zu fürchten. "Nur weil ich paranoid bin, heißt das nicht, daß sie mich nicht verfolgen" hat Woody Allen einmal gemeint. Zeit für Paranoia!

Faye blieb vor der Betonwand in der Kehre zwischen dem vierten und ihrem fünften Stock stehen. Nahm ihr Handy, um sich mit dem Computer in ihrer Wohnung zu verbinden, checkte die Aufzeichnungen ihrer Computerkamera, die sie mit Bewegungsmeldern verbunden hatte, die auf ihre Eingangstür und die Glasschiebetür, die vom Wohnzimmer zum Balkon ihres Zwei-Zimmer-Apartments führte, ausgerichtet waren: KEINE AKTIVITÄT. Die Computerkamera zeigte ihr auf dem Handydisplay die Innenseite ihrer Eingangstür, und dass das verdunkelte Wohnzimmer frei von Eindringlingen war.
Sie ging zu ihrer Wohnung. Glitt hinein. Alles war ruhig. Verdunkelt.

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