LeseTipp: Lee LOCKWOOD, Castro's Kuba.

Bildband / Cuba

 Lee LOCKWOOD: Castro Lee LOCKWOOD: Castro's Kuba. Ein Amerikaner in Kuba ; Reportagen aus den Jahren 1959-1969.   Neu 
(Castro's Cuba, Cuba's Fidel., 1967)
360 S., ISBN: 978-3-8365-3240-2
Köln usw.: Taschen, 2016

Bewertung
Bewertung: 5 Sterne

Rezension

Fidel in Wort und Bild.
Einen Tag vor dem Sturz des Diktators Batista im Dezember 1958 reiste der amerikanische Fotojournalist Lee Lockwood (1932-2010) erstmals nach Cuba. Eine Woche nach Castros Machtübernahme traf er den Revolutionsführer persönlich. In den folgenden zehn Jahren reiste Lockwood mehrmals nach Cuba und erwarb mit seinen fairen und objektiven Reportagen Castros Vertrauen.
"Aber wenn er [Castro] wirklich unser Feind und für uns so gefährlich ist, wie man uns erzählt, dann, meine ich, sollten wir über ihn so viel wie möglich wissen. Und wenn er es nicht ist - dann sollte auch das bekannt sein."
Lockwood begleitete und fotografierte Castro bei seinen zahlreichen Reisen und Auftritten.. Diese Fotos werden in dem umfangreichen und schweren Bildband - teil schwarzweiß, teils farbig - veröffentlicht, manche davon erstmals. Sie bieten einen interessanten Einblick auch in das Leben Castros abseits der Öffentlichkeit:
Den Kern des Buches aber bildet die Wiedergabe des siebentägigen Interview-Marathons, der nach zahlreichen versprochenen, immer wieder verschobenen Terminen 1965 auf der Isla de Pinos tatsächlich stattfand. Dabei wurde eine Vielzahl von Themen angesprochen: von der Cuba-Krise und der Agrarwirtschaft bis zum Stand der Revolution oder die Rassenprobleme in den USA. Es gibt kaum eine andere Publikation, in der sich Castro so offen und umfassend äußert. Seine Überlegungen und Gedanken sind teilweise so radikal, daß der spanische Diktator Franco das Buch in Spanien verbieten ließ.
Fazit: Lee Lockwood gelingt es, den Menschen Fidel Castro in Wort und Bild darzustellen. So nahe kam ihm wahrscheinlich kein anderer Außenstehender, so private Fotos - schon das Coverbild von Fidel im Schaukelstuhl in Socken ist das erste Beispiel - gibt es sonst kaum. Aber natürlich war Fidel ein Medienprofi, der schon in der Sierra Maestra sein Talent gezeigt hat, ein positives Bild von sich zu übermitteln. Und auch hier wusste er wahrscheinlich genau, wie weit er gehen konnte - und wollte.
Interessant wäre zu wissen, warum Lockwood nach 1969 nicht mehr nach Cuba gefahren ist.

Für Castro, den ausgebildeten Rechtsanwalt, den Redner und Politiker seit Studententagen, ist die Sprache vor allem ein demagogisches Instrument: Ihr Hauptzweck besteht nicht darin, Gedanken mit jemandem auszutauschen, sondern den Gesprächspartner von den eigenen Vorstellungen zu überzeugen. Und das gilt immer, egal ob er sich in der Öffentlichkeit an eine halbe Million Menschen wendet oder sich im privaten Gespräch mit einer einzelnen Person unterhält. Es reicht ihm nicht, dass man ihn versteht, man muss, wenn irgend möglich, überzeugt werden. Um das zu erreichen, setzt er seine beachtliche Energie und seinen Verstand äußerst konzentriert ein. Wenn die sorgsam formulierten Sätze melodisch aus seinem Mund fließen, dann spiegelt jedes Wort seine absolute Überzeugung wider - Produkt eines Verstandes, der keine Zweifel kennt.

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