LeseTipp: Leonardo PADURA, Die Palme und der Stern.

Cuba/Roman/

 Leonardo PADURA: Die Palme und der Stern. Leonardo PADURA: Die Palme und der Stern.
(La novela de mi vida., 2002)
458 S., ISBN: 978-3-293-00485-6
Zürich: Unionsverlag, 2015

Bewertung
Bewertung: 4 Sterne

Rezension

Das verschollene Manuskript.
José Maria Heredia (1803-1839) gehört zu den bedeutendsten Vertretern der kubanischen Romantik des 19. Jahrhunderts. Angeblich hat er am Ende seines Lebens in Mexico ein Manuskript verfasst, das geeignet gewesen wäre, die cubanische Gesellschaft aus den Angeln zu heben und das er deshalb mit einem 100-jährigen Publikationsverbot belegte. Weitere Gerüchte besagen, daß dieses Manuskript in der Freimaurerloge von Matanzas aufbewahrt wurde. Bei der Auflösung der Loge durch den Diktator Gerardo Machado geht es - wohl endgültig - verloren.
Leonardo Padura behandelt dieses Thema auf drei Zeitebenen: als (teilweise fiktive) Biografie Heredias in Ichform; im Umgang der Logenbrüder mit dem Manuskript; in der Geschichte von Fernando, der selbst ein Cubaflüchtling und damit Verbannter ist. Fernando gelingt es, eine 30-tägige Rückkehrerlaubnis zu bekommen. In dieser Zeit wird er nach dem Manuskript suchen. Und er will herausfinden, wer von seinen Freunden ihn denunziert hat, so daß er seinen Posten an der Universität verlor und während der Marielkrise aus Cuba flüchtete.
Fazit: Leider handelt es sich bei diesem Roman nur um eine deutschsprachige Neuerscheinung von Leonardo Padura, das spanische Original erschien bereits 2002. Padura versucht sich hier erstmals an einer Mischung aus Gesellschaftsroman und historischem Roman, die er in späteren Werken - wie etwa in "Der Mann, der Hunde liebte" oder "Ketzer" - zur Meisterschaft bringen sollte. Der vorliegende Roman kommt auf den ersten 100 Seiten nicht so richtig in Schwung, die Biografie Heredias vermittelt keine Atmosphäre des Cubas im 19. Jahrhundert, die Treffen mit den Freunden erinnern stark an jene von El Conde.
Hat man sich hier durchgekämpft, so wird man mit einem spannenden und substanzreichen Lesevergnügen belohnt und bekommt eine Vorstellung vom Leben und der Gesellschaft in Cuba in verschiedenen Epochen.

Doch als der Mann und seine Verse ihnen von keinerlei Nutzen mehr waren, verwiesen sie ihn des Landes, gaben ihn dem Vergessen preis, um ihn zu vernichten, damit seine offensichtliche Größe die allgemein verbreitete Mittelmäßigkeit in der Poesie nicht augenfällig machte. Der persönliche Erfolg Heredias außerhalb der engen Grenzen der Insel war zu einem Stigma geworden, und Ströme von Frustration und Neid suchten ein Werk wegzuspülen, das der Stolz und der Triumph aller hätte sein sollen. Die erbärmliche Einsamkeit, in der das Leben des großen Romantikers endete, das elende Begräbnis, das er bekam, und das Armengrab, in dem jener Mann beigesetzt wurde, der den Ruhm in Händen gehalten hatte, all das war meilenweit entfernt von der Welt der verschwenderisch illuminierten und dekorierten Salons, der Teeservices aus chinesischem Porzellan, der zahlreichen Bankette mit den exquisitesten Speisen, der Bibliotheken mit in Leder gebundenen Schriften.

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