LeseTipp: Jo NESBØ, Der Sohn.

Norwegen/Krimi/

 Jo NESBØ: Der Sohn. Jo NESBØ: Der Sohn.
(Sønnen., 2014)
522 S., ISBN: 978-3-550-08044-9
Berlin: Ullstein, 2014

Bewertung
Bewertung: 5 Sterne

Rezension

Harry Hole lässt grüßen.
Drei Personen haben hier jeweils einen Teil von Harrys Persönlichkeit und Rolle übernommen. Da ist Sonny Lofthus, Häftling im Hochsicherheitsgefängnis Staten, drogenabhängig. Er sitz hier, weil er Verbrechen gestanden hat, die er niemals begangen hat - im Austausch gegen die Versorgung mit Heroin. Als Jugendlicher hatte er die Ringerlaufbahn vor sich. Aber sein Vater Ab war Polizist und hat als Verräter Selbstmord begangen. Sonnys Mutter und er sind nie darüber hinweggekommen. Und jetzt sitzt Sonny im Gefängnis und ist anerkannt als Einer, dem man alles beichten kann, der einen dann heilen wird.
Von einem Mitgefangenen erfährt Sonny, daß sein Vater kein Verräter war, sondern zu diesem Geständnis und zum Selbstmord gezwungen worden war, um seine Familie zu schützen. Sonny bricht aus dem Gefängnis aus und beginnt einen unbarmherzigen Rachefeldzug.
Da ist Simon Kefas, ein Polizist der alten Schule knapp vor seiner Pensionierung. Er führt einen Kampf gegen die Korruption in der Osloer Polizei und wird dabei sehr einsam. Seine Frau Else droht zu erblinden, und irgendwie muß er das Geld für eine teure Operation in den USA zusammenkriegen. Er war jahrelang Spieler, hat praktisch alles verloren, und die überwundene Spielsucht lastet noch immer auf ihm. Er soll Sonny fassen. Aber er weiß, wer Sonny ist: der Sohn seines besten Freundes Ab, dem angeblichen Maulwurf und Verräter.
Und da ist Kari Adel, die vom Suchtgift- zum Morddezernat gewechselt hat und Simon zugeteilt wurde. Aber sie seiht nicht so aus wie jemand, der hier ernsthaft arbeiten will. Für sie scheint es nur eine Station auf ihrem Karriereweg zu sein, der sie weiter nach oben führen soll. Aber mit Simons Denk- und Arbeitsweise ändern sich ihre Pläne, sie tauscht das Kostüm gegen Jeans und Jacke und könnte eine gute Polizistin werden.
Fazit: Der erfolgreiche norwegische Krimiautor Jo Nesbø legt hier einen äußerst spannenden und psychologisch dichten Krimi vor, der weit über das Genre hinausgeht. Freundschaft und Verrat, Ehrlichkeit und Korruption sind seine Themen. Wie immer mit unerwarteten Wendungen über Überraschungen. Tauglich für die Fremdenverkehrswerbung ist das Buch allerdings nicht: Oslo wird hier als Drogensumpf geschildert, mit Dealern an jeder Ecke, und einer korrupten Polizei.

Wofür wollte er diesen Jungen also bestrafen? Was hatte Sonny vor? Eine Welt retten, die nicht gerettet werden wollte? Etwas ausrotten, dessen Nutzen wir uns nicht eingestehen wollen? Denn wer schaffte es denn, in einer Welt ohne Kriminalität zu leben, ohne den stumpfsinnigen Aufruhr der Idioten, ohne das Irrationale, das für Bewegung sorgt, für Veränderung. Ohne Hoffnung auf eine bessere - oder schlechtere - Welt. Es ist die teuflische Ruhelosigkeit, der Trieb des Hais, ständig in Bewegung zu bleiben und Sauerstoff aufzunehmen. »Es ist gut, wie es ist. Jetzt. Lass uns hierbleiben. So.« Nur passiert das nie.

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