LeseTipp: Per PETTERSON, Nicht mit mir.

Norwegen/Roman/

 Per PETTERSON: Nicht mit mir. Per PETTERSON: Nicht mit mir.
(Jeg nekter., 2012)
288 S., ISBN: 978-3-446-24604-1
München: Hanser, 2014

Bewertung
Bewertung: 3 Sterne

Rezension

Enttäuschend.
Auf verschiedenen Zeitebenen und unterschiedlichen Perspektiven, mal in Ich-Form und mal als Erzähler, beschreibt Petterson das Auseinanderdriften von Menschen. Da sind Jim und Tommy, die engsten Freunde in der Schulzeit. Beide wohnen nicht weit voneinader entfernt in einem kleinen Ort. Jim kennt seinen Vater nicht und wächst bei seiner Mutter auf. Tommys Mutter hat die Familie verlassen, sein Vater ist ein Säufer und Schläger, bis Tommy eines Abends mit dem Baseballschläger zurückschlägt. Daraufhin verschwindet sein Vater. Aber Tommy, seine Schwester Siri und die jungen Zwillinge können nicht zusammen bleiben, sondern werden auf verschiedene Familien aufgeteilt. Obwohl es das Jugendamt anders beschlossen hat, nimmt Jonsen Tommy zu sich. Er hat das Sägewerk übernommen und Tommy findet dort Arbeit, während Jim auf das Gymnasium in der nächstgrößeren Stadt wechselt. Wie auch Tommys Schwester Siri. Tommy darf Siri bei ihrer Pflegefamilie nicht besuchen. Somit verliert sich der Kontakt zwisdchen den Dreien auf Dauer.
Siri verliebt sich in Jim, aber der scheint psychische Probleme zu haben und verbringt vier Monate in einer psychiatrischen Klinik. Später wird er Bibliothekar, aber auch hier werfen seine psychischen Probleme ihn aus den Bahn. 30 Jahre später treffen er und Tommy, der erfolgreicher Börsenmakler geworden ist, zufällig bei einer Brücke aufeinander - aber der Kontakt bleibt ohne Fortsetzung, ist aber doch der Auslöser für Veränderungen in beider Lebensweg.
Fazit: Die Geschichte, die Per Petterson hier vorlegt, hätte durchaus Potential. Aber leider viel zu selten gelingt es ihm, dieses zu heben. Ein wenig erinnert die Beziehung der beiden Buben an den großartigen Roman Pferde stehlen, aber es fehlt ihm an dessen sprachlicher Kraft und Ausdrucksfähigkeit. Durch den Zeiten- und Perspektivenwechsel ist der Roman nicht einfach zu lesen und verliert an Dichte. Außerdem bleibt zu vieles offen, ungesagt. Man müsste es zwischen den Zeilen herauslesen, aber das befriedigt nicht. Schade.

Und sie saß auf dem Schlafsofa in dem weißen Unterhemd, die Augen knapp über dem Fensterbrett, und sah dem Schulbus hinterher, der mit Tommy und Siri an Bord durch den Ort fuhr, und sie sah die beiden verschwinden, und es war nicht leicht zu begreifen, dass sie eine knappe Stunde später ebenfalls verschwinden würde, für immer, und er, Jonsen, würde sie die sechzig Kilometer durch den Schnee nach Oslo fahren zu einem der Anleger, wo sie in letzter Sekunde auf einem Schiff anheuern würde, das kurz darauf ablegen sollte, um durch den Oslofjord zu fahren und erst in Rotterdam wieder am Kai festzumachen.

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