LeseTipp: Ketil BJØRNSTAD, Die Frau im Tal.

Norwegen/Roman/

 Ketil BJØRNSTAD: Die Frau im Tal. Ketil BJØRNSTAD: Die Frau im Tal.
(Damen i dalen., 2009)
334 S, ISBN: 978-3-458-17477-6
Frankfurt: Insel, 2010

Bewertung
Bewertung: 4 Sterne

Rezension

Die Skoog-Frauen.
Marianne Skoog, die zweite große Liebe von Aksel Vinding, hat sich am Abend nach seinem gelungenen Debut als Pianist erhängt. Beim ersten Versuch kam Aksel gerade noch rechtzeitig, aber diesmal ist es zu spät. Nun hat er nach seiner ersten Liebe, Anja Skoog, der Tochter von Marianne, auch die zweite Frau seines Lebens verloren. Er will selbst nun aus dem Leben scheiden, geht in den Fluß, in dem seine Mutter ertrunken ist, wird aber gerade noch gerettet.
Beim Begräbnis von Marianne lernt er deren jüngere Schwester Sigrun kennen. Diese hatte ein schwieriges Verhältnis zu ihrer Schwester, weil sie sie am Musikstudium hinderte. Nun ist sie Distriktärztin in Kirkenes in Nordnorwegen und mit einem Lehrer verheiratet. Für Aksel ist ihre Ähnlichkeit mit ihrer Schwester, aber auch mit ihrer Nichte so groß, daß er sich in sie verliebt.
Aus diesem Grund, aber auch weil er Abstand braucht und zu sich selbst finden muß, sagt er eine geplante Konzerttournee ab und fährt nach Kirkenes. Er findet Unterkunft in der Internatsschule nahe der sowjetischen Grenze, in der Sigurds Mann unterrichtet. Dort spielt er für die Schüler, übt sein geplantes Konzert ein und gibt Konzerte in den kleinen Städten Nordnorwegens. Mit Sigrun beginnt er ein eigenartiges Verhältnis und spielt mit ihr Musik. Denn sie ist Amateurgeigerin. Und obwohl sie gut ist, wagt sie es nicht, mit ihm aufzutreten.
Fazit: Im letzten Teil der Trilogie um den jugendlichen Pianisten Aksel Vinding geht es um Freiheit und Selbstbestimmung, um das Überwinden der Fesseln der Gewohnheit, um die Kraft für den Neuanfang. Aksel hat am Ende diese Kraft, und nach der Affäre mit Sigrun kann er sich endlich von den Skoog-Frauen lösen. Vielleicht wird er mit Rebecca eine Zukunft haben. Und es ist auch eine Geschichte des Erwachsenwerdens, wenn die schönen Fantasien nicht halten und man sich dem Leben stellen muß.
Man sollte diese drei Romane -Vindings Spiel, Der Fluß und eben Die Frau im Tal - in dieser Reihenfolge lesen, denn sie sind nur bedingt in sich abgeschlossen.

Diese Frauen habe ich geliebt, tief und ehrlich. Für sie wollte ich mein Leben hingeben. Inzwischen weiß ich nicht einmal, ob sie erkannten, mit welchem Ernst ich sie anbetete. Vielleicht interessierten sie ganz andere Dinge.
[...]
Es sind die letzten gemeinsamen Minuten, bevor wir uns für immer trennen, für immer aus dem Leben des anderen verschwinden. Und wir wiessen es, alle beide, daß wir nie Freunde bleiben werden, die sich treffen, um miteinander Brahms zu spielen.

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