LeseTipp: Ketil BJØRNSTAD, Der Fluß.

Norwegen/Roman/

 Ketil BJØRNSTAD: Der Fluß. Ketil BJØRNSTAD: Der Fluß.
(Elven., 2007)
382 S, ISBN: 978-3-458-17425-7
Frankfurt: Insel, 2009

Bewertung
Bewertung: 4 Sterne

Rezension

Der weiße Ritter.
Mit dem Optimusmus und der Kraft eines 18-jährigen will Aksel Vinding zwei große Aufgaben gleichzeitig meistern: sein Debut als Pianist und die Rettung der zweiten Liebe seines Lebens.
Die berühmte frühere Pianistin und nun Klavierlehrerin Selma Lynge will, daß Aksel im Herbst des folgenden Jahres debütiert - als Höhepunkt und Abschluß ihrer Arbeit als Klavierlehrerin, die sie danach aufgeben will, Sie stellt ein sehr anspruchsvolles Programm zusammen und setzt Aksel unter Druck.
Aksel leidet noch immer unter dem Tod seiner ersten großen Liebe, Anja Skoog. Anja, eine sehr begabte junge Pianistin und ebenfalls Schülerin von Selma, starb an Magersucht. Sie hatte ein inniges Verhältnis zu ihrem Vater, der ihre Karriere vorantrieb und der sich wenige Tage vor ihrem Tod erschossen hatte. Vielleicht war das Verhältnis der Beiden etwas zu innig, aber das lässt sich nicht mehr klären.
Durch Zufall erfährt Aksel, daß Marianne Skoog, Anjas Mutter, einen Untermieter sucht. Gegen eine geringe Miete und Arbeiten im Garten kann er den Steinway-Flügel Anjas benutzen. Aksel nützt die Gelegenheit und zieht bei Marianne ein. Er wohnt in Anjas Zimmer, das fast unverändert ist, und bereitet sich auf sein Debut vor.
Aber aus der Beziehung Vermieterin - Untermieter wird bald mehr. Aksel verliebt sich in Marianne, die doch 17 Jahre älter ist und seine Mutter sein könnte. Aber das stört ihn nicht, und sie wird die zweite große Liebe seines Lebens. Marianne erwiedert seine Gefühle, die Beiden werden ein Paar. Aber über Mariannes Leben liegt ein dunkler Schatten. Sie ist psychisch krank und hat immer wieder depressive Schübe, in denen sie suizidgefährdet ist. Aksel kann sie gerade noch vor einem Selbstmord retten. Und er will nach ihrer Entlassung aus der Klinik bei ihr bleiben, sie schützen und unterstützen.
Fazit: Das sind zwei große Aufgaben, zwei riesige Herausforderungen für einen Jungen, der eigentlich erst an der Schwelle zum Erwachsensein steht. Aber durch den frühen Tod seiner Mutter ist er früh reif geworden. Der Vater ist bald mit einer anderen Frau weggezogen, seine Schwester auf Reisen gegangen. Aksel war immer auf sich allein gestellt. Und so glaubt er, beiden Aufgaben gewachsen zu sein - aber er wird nur eine schaffen.
Ketil Bjørnstad gelingt es sehr gut, die Gedanken- und Gefühlswelt eines 18-jährigen darzustellen und ein Bild Norwegens der 1970er-Jahre zu zeichnen. Nur etwas weniger innere Monologe hätte man sich manchmal gewünscht. Fortsetzung von Vindings Spiel, das man doch zuvor lesen sollte.

Die schrecklichen Ereignisse des Frühsommers und das, was auf dem Meer vor Rebeccas Ferienhaus passierte, haben mich verändert. Vielleicht besteht gerade eine Verbindung zwischen den übertrieben unbekümmerten Klängen zu Beginn von Beethovens op. 110 und meinen Erinnerungen an Anja. Beethoven geht bis an die Grenzen seiner Persönlichkeit. Dasselbe machte Anja, während ich an der Auslinie stand, mich von ihr in der Konkurrenz besiegen ließ, in meinem Leben den Anschluß verlor, ständig dazu verführt, mich in Trauer oder hoffnungsloser Sehnsucht zu verlieren.

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