LeseTipp: Roberto ESTRADA BOURGEOIS, Ein Modigliani aus Kuba.

Cuba/Krimi/

 Roberto ESTRADA BOURGEOIS: Ein Modigliani aus Kuba. Roberto ESTRADA BOURGEOIS: Ein Modigliani aus Kuba.
(Modigliani., 1999)
98 S, ISBN: 3-923208-39-1
Distel-Krimi
Heilbronn: Distel-Literaturverlag, 1999

Bewertung
Bewertung: 4 Sterne

Rezension

Das ist eigentlich kein Krimi.
Auch wenn es um Kunstdiebstahl geht und sogar ein Mord passiert, ist das eigentlich eine Erzählung aus dem Alltag Cubas etwa zur Zeit der Spezialperiode. Aber eigentlich hat der Krimi heute oft der früheren Gesellschaftsroman abgelöst, und als solcher lässt sich der schmale Band lesen.
Eine 28-jährige ehemalige Kunststudentin lernt in einem Hotel den Italiener Marcello kennen. Der ist ein Kunsthändler, genauer eigentlich ein Kunstschmuggler. Er kennt die Adressen von Leuten, die gezwungen sind, sich von ihren Wertsachen zu trennen. Die junge Frau (sie hat keinen Namen) ist die Verhandlerin und kauft für ihn die Gegenstände. Höhepunkt ist der Kauf eines Modigliani, der als verschollen gilt. Anschließend beendet Marcello seine Geschäfte in Cuba und nimmt die junge Frau - sie haben sich mittlerweile ineinander verliebt - nach Rom mit.
Fazit: Der Erstling von Roberto Estrada Bourgeois ist eine Erzählung im Krimimantel, in der es um Selbstachtung, Träume, aber letztendlich ums Überleben geht. Er zeichnet Cuba in düsteren Farben. Ein tristes Cuba, in dem jeder irgendwie zu überleben versucht und es ebenso irgendwie schafft. Nicht Verzweiflung, sondern einfach Alltag, der eben hingenommen wird und bewältigt werden muß.

Mein Bruder fiel in Angola. Ich war zufielst davon erschüttert. Aber mein Weltbild wurde noch stärker von den neuen, hell erleuchteten, tadellosen, antiseptischen und klimatisierten Geschäften erschüttert, die voller Artikel waren, die ich mir noch nicht einmal im Traum mit den wertlosen Scheinen kaufen konnte, die meinen Lohn ausmachten. Durch diesen klaren und einfachen Kontrast wurden mir plötzlich Zerfall und Niedergang der Stadt deutlich. Die abgeblätterten Fassaden, die Straßen voller Schlaglöcher, Abfälle und Schmutzwasser, Autobusse, die nie fuhren. eine Straßenbeleuchtung, die nie leuchtete, und Leute, die von den unvermittelten Schlägen einer Krise getroffen wurden, die sie sich niemals hätten vorstellen können, wo wir doch in der Überzeugung gelebt hatten, daß wir uns auf dem Weg ins Paradies befänden.

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