LeseTipp: Jean-Christophe AMMANN [Hrsg.], Anja Niedringhaus.

Fotografen/Anja Niedringhaus/Bildband/

 Jean-Christophe AMMANN [Hrsg.]: Anja Niedringhaus. Fotografien. Jean-Christophe AMMANN [Hrsg.]: Anja Niedringhaus. Fotografien.
188 S., ISBN: 3-88270-492-6
Frankfurt am Main: Museum für Moderne Kunst, 2001

Bewertung
Bewertung: 5 Sterne

Rezension

Der Beitrag von Jean-Christophe Ammann ("Zu den Fotografien von Anja Niedrighaus") hebt einzelne Bilder des Bandes beschreibend heraus und liefert damit den Entstehungs- und Erklärungshintergrund.
Andreas Bee ("Über das Fotografieren vor Ort. Ein Gespräch") läßt Anja Niedrighaus selbst zu Wort kommen, ihre Tätigkeit, Erlebnisse, Verarbeitung des Gesehenen. Damit bekommt man einen wertvollen Eindruck von der Person, die hinter den Bildern steht und auch hinter sie zurücktritt. Sie geht auch auf ihre Position als Frau in diesem männerdominierten Genre der Kriegfotografie ein ("Wenn Du als Fotografin dort bist, wirst Du als Neutrum gesehen. Ich wurde auch im Kosovo immer zu den Männern eingeladen.") Leider sind seine Fragen teilweise auf nicht sehr hohem Niveau ("Das Foto ist also in dem Moment entstanden, wo die Frau stirbt?" "Und beim Fotografieren - was ist da mit den Gefühlen?").
Die rund 60 Abbildungen stammen aus den Jahren 1993-2001. Sie sind im Jugoslawienkonflikt in Serbien, Albanien und dem Kosovo aufgenommen. Der Druck auf Glanzpapier ist gut, die Bilder sind meist ganzseitig rechts mit Aufnahmedatum, -ort und Bildunterschrift links. Alle Aufnahmen sind schwarz-weiß, da Anja Niedringhaus digital fotografiert und damit die Wahl zwischen Schwarzweiß und Farbe hat. Die Redaktionen bevorzugen Farbe, sie denkt und sieht in Schwarzweiß ("Wenn ich Gesichter fotografiere, dann mache ich gerne Schwarzweißaufnahmen. Dann lenkt ein gelber Pullover oder ein blauer Himmel tatsächlich ab.").
Eine zweiseitige, tabellarische Biografie gibt Aufschluß über den Werdegang der Fotografien.
Fazit: Die hier vorgelegten Fotografien von Anja Niedringhaus zeigen, daß auch sie eine Meisterin des entscheidenden Augenblicks (Henri Cartier-Bresson) ist. Ihre eigene Bildsprache läßt ihre andere Herangehensweise an die Kriegsfotografie erkennen. Für sie wichtig ist auch das Leben daneben, wie die Menschen in ihrem Alltag von den Ereignissen, die nicht ihre sind, beeinflußt werden. Ein Beispiel dafür ist das eigentlich völlig undramatische Bild auf Seite 55: "UN-Panzerfahrzeuge geben Fußgängern Schutz vor Scharfschützen, Sarajewo, Bosnien, 21. Juni 1995". Eine Frau mit einem Einkaufskorb, ein Rauchfangkehrer, Passanten warten, ihren Alltag wieder aufnehmen zu können.

Anja Niedringhaus hat ein einzigartiges Zeitdokument geschaffen, das weit über die Zeit hinausreicht. Irgendwann muß die Menschheit zur Einsicht gelangen, daß der Krieg nicht den Weg zum Frieden ebnet. (Jean-Christophe Ammann)

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