LeseTipp: Gunnar STAALESEN, Dornröschen schlief wohl hundert Jahr.

Norwegen/Krimi/

 Gunnar STAALESEN: Dornröschen schlief wohl hundert Jahr. Gunnar STAALESEN: Dornröschen schlief wohl hundert Jahr.
(Tornerose sov i hundre ar., 1980)
253 S, ISBN: 3-502-51784-3
TB 51784
Bern usw.: Scherz, 2001

Bewertung
Bewertung: 4 Sterne

Rezension

Ein sehr früher Roman mit Varg Veum, der noch fast einen Freund bei der Polizei hat und noch nicht den später oft typischen Zynismus entwickelt.
Der Beginn lässt einen typischen Krimi erwarten: Veum holt ein junges, drogenabhängiges Mädchen aus einem billigen Bordell in Kopenhagen nach Bergen zurück. Die Eltern sind fassungslos, sie haben keine Erklärung für das Abrutschen in die Drogenszene. Die Nachbarn, mit deren Sohn das Mädchen eine Beziehung hatte, beauftragen Veum, den verschwundenen Sohn zu finden. Und er findet ihn, ebenfalls in einer billigen Absteige in Bergen, ebenfalls drogenabhängig und - ermordet.
Veum darf zwar in der Mordsache nicht ermitteln, aber er sucht weiterhin Kontakt zu dem Mädchen. Von der Polizei erhält er quasi den Auftrag, den Geschäften eines stadtbekannten Bau-Unternehmers nachzuspüren. Dessen Frau hatte eine Affäre mit dem Ermordeten. War sie seine letzte Besucherin in dem Hotel? Oder hatte der Ermordete etwas gegen den Bauunternehmer in der Hand und wurde er deshalb ermordet?
Aber auch in den Familien des Mädchens und des Ermoderten zeigen sich bald Sprünge in der bürgerlichen Fassade. Ereignisse in der Vergangenheit werfen lange Schatten.
Fazit: Gunnar Staalesen zeichnet ein düsteres Bild der Menschen in der heilen bürgerlichen Gesellschaft. Es sind Ehen voller Kälte und Lieblosigkeit, in der die Kinder aufwachsen. Und wenn sie auch scheinbar alles haben, verwundert ihr Abrutschen in die Verdrängung, in die Drogenwelt. nicht wirklich. Staalesens Norwegen hat nur wenig mit den Werbeplakaten für die Touristen zu tun, sein Bergen ist düster und unwirtlich. Und die Jugend dort scheint besonders anfällig für Drogen zu sein - vielleicht eine Folge einer stark reglementierten Gesellschaft.

Plötzlich fühlte ich mich allein. Ich vermisste jemanden, mit dem ich reden konnte. Eine Frau, die vielleicht dort sitzen und die Tasse Kaffee mit mir teilen würde, die mit mir redete, die Hand ausstreckte und mir über die Wange strich. Eine Frau, die mich mit warmen Blicken betrachtete, den Kopf zurückwarf und mich anlachte. Oder eine Frau, die mich anschnauzte, mich ausschimpfte, mir erzählte, was für ein armseliger Kerl ich war, was für ein Idiot, was für ein hoffnungsloser Liebhaber... aber jedenfalls eine Frau.

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