LeseTipp: Petra OELKER, Mit dem Teufel im Bunde.

Hamburg/Historischer Krimi/

 Petra OELKER: Mit dem Teufel im Bunde. Petra OELKER: Mit dem Teufel im Bunde.
448 S., ISBN: 978-3-499-24200-7
rororo 24200
Reinbeck: Rowohlt TB-Verlag, 2006

Bewertung
Bewertung: 4 Sterne

Rezension

Rosina, mittlerweile verheiratete Madame Vinstedt, bekommt Zuwachs in ihrem kleinen Haushalt. Tobias, ein Waisenknabe, soll auf Empfehlung von Elisabeth, der Herrmann'schen Köchin, bei ihr aufgenommen werden. Doch der Leiter des Waisenhauses legt sich zunächst quer, Rosinas Herkunft und ihr früheres Lebens als Komödiantin erscheinen ihm nicht vertrauenswürdig genug. Erst als Augusta, die Tante von Claes Herrmanns, eingreift, wird die Sache geregelt.
Aber tatsächlich geht es um wichtigere Dinge in diesem Oktober des Jahres 1772: der Turm der St.-Katharinen-Kirche droht umzustürzen. Der nicht unumstrittene Baumeister Sonnin soll ihn mit einem von ihm entwickelten Verfahren wieder gerade richten. Doch die neue Methode erscheint vielen Bürgern und Kirchenmännern sehr suspekt. Und dann wird auch noch die Kauffrau Sibylla van Keupen in der Kirche erschlagen. Sie hatte sich nach dem Tod ihres Gatten selbst an die Spitze des Handelsunternehmens gesetzt - eine zu dieser Zeit nicht unumstrittene Handlung. Und obwohl sie fleißig spendete, war sie offenbar doch nicht ganz so gutherzig. Bald findet Rosina heraus, daß es zahlreiche Interessenten am Ableben der Kauffrau gab. Und auch die Rolle der Unbekannten, die gleichzeitig und ebenfalls tot - aber nicht ermordet - in der Kirche gefunden worden war, steht mit dem Mord in einem Zusammenhang.
Zwar werkt hier - von der Becker'schen Komödiantentruppe abgesehen - das gewohnte Personal: neben Rosina Anna und Claes Herrmanns, Tante Augusta, Weddemeister Wagner. Aber alle wirken ein wenig undeutlich, zu sehr im Hintergrund. Dafür erfahren wir einiges über St. Katharinen und Sonnins Methode, den Turm wieder gerade zu richten. Auch die Herstellung von Fächern und Seidenblumen sowie Stukkaturarbeiten werden ausführlich erkläutert. Und natürlich gibt es einige historische Persönlichkeiten, die neben unbekannten Begriffen im Glossar vorgestellt werden.
Fazit: vielleicht ein wenig zu ruhig und nicht der stärkste Band der Serie um Rosina, so daß eher 3½ Sterne angebracht wären.

Obwohl sie [Rosina] seit fast einem halben Jahr verheiratet war, fühlte sie sich in ihrer neuen Rolle, ihrem neuen Leben als Ehefrau und ehrbare Bürgerin, immer noch nicht ganz zu Hause. Manchmal erwachte sie am Morgen, spürte die feinen Laken, den schlafenden Mann an ihrer Seite, die Wärme seines Körpers, und es konnte geschehen, dass sie nicht wagte, ihn zu berühren, weil sie sicher war, das Trugbild werde sich dann auflösen. Sie wusste, es war kein Trugbild, es war glückliche Realität, dennoch fühlte es sich an wie ein geborgtes Leben, eine Leihgabe auf unbestimmte Zeit. Wie eine Rolle, die sie spielte? Wie eine Rolle, aber es war kein Spiel. Sie liebte ihren Mann und vertraute auf seine Liebe. Sie hatte viel für ihn aufgegeben, vielleicht zu viel. Aber hatte sie wirklich eine Wahl gehabt?

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