LeseTipp: Craig RUSSELL, Walküre.

Hamburg/Thriller/

 Craig RUSSELL: Walküre. Thriller. Craig RUSSELL: Walküre. Thriller.
(Valkyrie song., 2009)
445 S, ISBN: 978-3-404-16690-9
BLT 16690
Bergisch-Gladbach: Bastei-Lübbe TB, 2012

Bewertung
Bewertung: 5 Sterne

Rezension

Obwohl es der Titel vermuten lässt, geht es diesmal nicht um deutsche Sagen, Mythen und Legenden, sondern um ein Ereignis aus dem Kalten Krieg und der damaligen DDR. Dort wurden Mädchen ohne familiäre Bindungen zu perfekten Tötungsmaschinen ausgebildet und möglicherweise in den Westen geschleust. Kriminalhauptkommissar Jan Fabel steht vor der Frage, ob der - damals so genannte - Engel von St. Pauli wieder zuschlägt, eine Nachahmungstäterin am Werk ist oder die Täterin in einem völlig anderen Bereich zu suchen ist. Denn um eine Täterin handelt es sich mit größter Wahrscheinlichkeit.
Erschwerend kommt hinzu, daß die scheinbar einzige Verbindung zwischen den Opfern ihre - sehr unterschiedliche - Beziehung zu einer international tätigen Hamburger Müllentsorgungsfirma ist, die der Kandidatin für das Amt des Ersten Bürgermeisters gehört. Als dann auch noch ein hoher dänischer Polizeibeamter in Hamburg ermordet wird, gerät Fabel schwer unter Druck.
Dabei ist die Situation für Fabel insgesamt nicht einfach: er hat Probleme mit den vielen hier involvierten Frauen, insbesondere mit seinem Teammitglied Anna, deren Untersuchungsmethoden ihm nicht gefallen und die scheinbar seine Authorität in Frage stellt. Er kommt mit den Faruen hier nicht wirklich zurecht und kann keinen neutralen Blick auf die Morde finden. Selbst von seiner Tochter Gabi muß er sich vorwerfen lassen, ihren Berufswunsch, Polizistin zu werden, nicht so zu unterstützen als wenn sie sein Sohn wäre. Und auch die Beziehung zu Susanne, mit der er nun zusammenlebt, läuft nicht so rund.
Fazit. Dem Wahlhamburger Craig Russel ist hier ein außerordentlich packendes und spannendes Buch gelungen, das mit seinen Verästelungen in die frühere DDR eine zusätzliche, kalte Dimension gewinnt. Super!

[Fabel] schaute auf seine Uhr. 2.30 Uhr. Er würde jetzt nach Hause fahren, vier oder fünf Stunden schlafen und dann ins Präsidium zurückkehren. Fabel gähnte. Allmählich wurde er zu alt für dieses Geschäft. Er dachte an Viola Dahlke, die möglicherweise hellwach und ängstlich in ihrer Zelle liegen und darüber grübeln würde, wie sich jede Faser ihres bisherigen Lebens auflöste. Was hatte sie sich bloß gedacht? Es stimmte: Er konnte sie nicht verstehen, genauso wenig wie er verstand, warum so viele Menschen, denen er in seiner Laufbahn begegnet war, so erstaunliche Taten begangen hatten. ... Zuweilen hatte er tatsächlich den Eindruck, dass Frauen für ihn immer noch von einem unbekannten Kontinent stammten.

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