LeseTipp: Chris TVEDT, Frei von Schuld.

Norwegen/Krimi/

 Chris TVEDT: Frei von Schuld. Ein Fall für Mikael Brenne. Chris TVEDT: Frei von Schuld. Ein Fall für Mikael Brenne.
(Rimelig tvil., 2005)
456 S, ISBN: 978-3-426-50006-4
TB 50006
München: Knaur TB-Verlag, 2009

Bewertung
Bewertung: 3 Sterne

Rezension

Auch Anwälte sind nicht frei von Schuld.
Mikael Brenne, Anwalt in Bergen, lässt sich mit serbischen Gangstern ein. Slavo und sein Partner Mike wollen das Drogengeschäft in Bergen übernehmen. Aber Slavo tritt völlig seriös auf, übernimmt legal verschiedene Lokale und engagiert Brenne als Antwalt. Brenne soll auch Geschäftsführer eines Unternehmens werden, was eigentlich nicht möglich ist. Und bald erkennt er, daß der Zweck des Unternehmens Geldwäsche ist. Aber da kann er eigentlich schon nicht mehr aussteigen.
Eva Kaufmann, Mike's Freundin, wird verhaftet, weil sie von einem polizeilich überwachten Drogenhändler ein Drogenpaket übernommen hat. Slavo setzt Brenner unter Druck, sie freizukriegen, und Eva erweist Brenner sexuelle Gefälligkeiten. Schließlich entdeckt Brenner eine Lücke in der Überwachung des Drogenkuriers. Dieser war alleine in einer Imbißbude, die einem früheren Drogensüchtigen gehört. Eva wird freigesprochen, doch der Imbißbudenbesitzer überlebt nicht.
Brenner gerät darüber in Wut, und er hält Mike für den Täter. Betrunken und im Affekt ersticht er ihn. Aber Blut an den Schuhen und eine Zeugin stempeln Slavo zum Täter, und Brenner muß ihn verteidigen...
Fazit: Chris Tvedt, selbst Anwalt in Bergen, zeichnet seinen Anwalt Mikael Brenner in seinem Debütroman etwas zu vielschichtig und damit zu wenig greifbar. Er trinkt zu viel, hat Bindungsprobleme und einen nervösen Magen. Außerhalb des Gerichtssaals wirkt er unentschlossen. Der Spannungsbogen ist eher mäßig, die psychologischen Implikationen sind ein wenig zu viel. Nur in den Gerichtsszenen wird der Roman autentisch und griffig, hier kennt der Autor sich aus.

Strafverteidiger zu sein ist keine ehrenvolle Angelegenheit. Die meisten von uns haben nur selten große Fälle, die Schlagzeilen machen. Unser Alltag besteht aus kleinen Ganoven und Bagatelldelikten, die mit der Zeit zur Routine werden, wie auch alles andere. Einige Mandanten sind in Ordnung, zu anderen findet man nie Zugang, und wieder andere mag man überhaupt nicht. Man macht diesen Job nicht, um berühmt zu werden, aber sicher auch nicht, um die Welt oder seine Mandanten zu retten. Die meisten Anwälte prägt heute eher Zynismus als Idealismus.
Und doch gibt es in diesem Job einen wichtigen Aspekt, der einem erst mit der Zeit richtig bewusst wird. Die Mandanten haben nur dich. Niemanden sonst. Deshalb muss man diesen Job machen, und zwar so gut wie möglich.

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