LeseTipp: Ulrike Miriam WILHELM, Bildersturm.

Hamburg/Krimi/

 Ulrike Miriam WILHELM: Bildersturm. Ulrike Miriam WILHELM: Bildersturm.
258 S, ISBN: 3-8218-0840-3
Frankfurt: Eichborn, 2000

Bewertung
Bewertung: 2 Sterne

Rezension

Die Kunsthochschule als Löwengrube.
Die neue Präsidentin Katharina Diehl hat so ziemlich alle im Haus gegen sich. Und als noch bei der Eröffnungsrede der Hausmeister betrunken hineinplatzt und ein seltsames Gedicht zum Besten gibt, steigt ihr Ansehen nicht gerade. Wenige Stunden später ist der Hausmeister tot, von einer Leiter gestürzt. Unfall war es wohl keiner, denn auch er hatte sich unter den Studenten und Professoren zahlreiche Feinde gmacht.
Die Kommissarin Vera Kolditz und ihr Kollege Max brechen ihren Urlaub ab, um in dem Fall zu ermitteln. Max ist in einer Beziehung zu Ava, die eine Professorenstelle an der Kunsthochschule anstrebt. Und Vera wird eine Affaire mit einem der Professoren haben. Eine gute Ausgangslage für objektive Ermittlungen.
Aber nicht nur die Beiden haben Probleme mit ihrem Privatleben und dessen Trennung vom Berufsalltag. Die ganze Kunsthochschule entpuppt sich als ein Hort der Intrigen, des Kampfes jeder gegen jeden. Von der Kunst ist da nur noch wenig zu bemerken. Und da gibt es noch eine sehr ehrgeizige Studentin, die beabsichtigt, alle Mißstände aufzudecken.
Der Krimi chargiert zwischen den privaten Fährnissen der Ermittler und ihren Versuchen, auf der Kunsthochschule Licht ins Dunkel zu bringen. Leider nicht sehr gekonnt, und die Handlung dümpelt so vor sich hin.
Fazit: Der Autorin geht es wohl irgendwie um Frauen, die sich in einem männerdominierten Umfeld durchsetzen und bewähren müssen. Gleichzeitig aber zeichnet sie die Frauen wieder als schwach und männerabhängig. Der ganze Roman ist unentschlossen und holpert auch sprachlich so dahin. Eher schon unterer Durchschnitt.

Die Bibliothek war ein düsterer Saal mit kostbarer Holzvertäfelung und Panoramablick über die Außenalster. Aber noch mehr als vom Ambiente war Vera von dem Chaos beeindruckt, das den Boden, die labyrinthischen Regale, ja sogar den riesigen Kamin bedeckte. Wohin man auch blickte - Bücher, Papiere, Zeichnungen. Überall hingen, lagen, standen Gemälde. Öl, Lithografien, Aquarelle. Es war genau die lässig-kultivierte Umgebung, nach der Vera solche Sehnsucht hatte.
[...]
Fabian wurde ein bißchen rot und bot Max seinen Platz an. Vera fühlte sich wie in einem Roman. Hier war etwas von jener Atmosphäre zu spüren, die sie sich von der Kunsthochschule erhofft hatte. Es war etwas schwer zu benennendes, vielleicht etwas, das man nicht benennen durfte, weil man es dann zerstören würde.

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