LeseTipp: Petra OELKER, Die englische Episode.

Hamburg/Historischer Krimi/

 Petra OELKER: Die englische Episode. Petra OELKER: Die englische Episode.
443 S, ISBN: 3-499-23289-8
rororo 23289
Reinbeck: Rowohlt TB-Verlag, 2003

Bewertung
Bewertung: 4 Sterne

Rezension

Rosina, durch ihre Erbschaft zu etwas Geld gelangt, interessiert sich für die Theaterszene in London, insbesondere für David Garrick (1717-1779), der mit seinem völlig neuen, realistischen und eindringlichen Darstellungsstil auch das deutsche Theater stark beeinflusste. Mit ihr reist natürlich die Becker'sche Komödiantentruppe und, als Mitglieder dieser Truppe getarnt, auch der Weddemeister Wagner mit seiner frisch angetrauten Frau Karla. Er soll zum einen den Diebstahl einiger wertvoller Münzen aus der Sammlung seines Vorgesetzten und zum anderen den Mord an einem Drucker aufklären.
Hamburg und der Großkaufmann Claes Herrmanns spielen diesmal nur eine Nebenrolle, letzterer war ja seiner Frau Anne nachgereist (Die ungehorsame Tochter), um dann mit ihr in die damals englische Kolonie Amerika zu reisen.
Wieder gelingt es der Autorin, ein sehr lebendiges Bild Londons der 1770er Jahre zu entwerfen, das damals mit 800.000 Einwohnern eine riesige, quirrlige und mit allen sozialen Problemen behaftete Großstadt gewesen sein muß. Auch die Darstellung des Lebens sowohl der oberen als auch den unteren Schichten ist sehr anschaulich. Zusätzlich treten einige historische Persönlichkeiten auf, die - neben zahlreichen Begriffen aus der Zeit - im Glossar näher vorgestellt werden.
Fazit: die Krimihandlung ist Hintergrund und Vehikel für einen sehr authentischen und lehrreichen historischen Roman, in dem man viel über Drucken, London und das Theaterwesen erfährt. Und Bier scheint das allgegenwärtige Getränk aller zu sein.

Wagner nickte. Was er da hörte, war alltäglich. Eine Handwerkerwitwe, die ihr Geschäft, ihre Werkstatt nicht verlieren wollte, tat gut daran, so bald wie möglich und schicklich wieder zu heiraten. Und zwar einen Mann aus dem richtigen Amt, um ihrem Unternehmen einen neuen Meister zu geben. Kaum eine schaffte es länger als zwei Jahre, die Geschäfte allein aufrechtzuerhalten, denn wer vergab schon gern Aufträge an eine Frau, auch wenn sie noch so tüchtige Gesellen hatte. Wagner zweifelte nicht an diesem Usus. Es war, wie es war. Über solche Dinge war es müßig nachzudenken.

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