LeseTipp: Anne HOLT, Der norwegische Gast.

Norwegen/Anne Holt/Krimi/

 Anne HOLT: Der norwegische Gast. Anne HOLT: Der norwegische Gast.
(1222., 2007)
317 S, ISBN: 978-3-492-25718-3
SP 25718
München: Serie Piper, 2009

Bewertung
Bewertung: 3 Sterne

Rezension

Kurz nach Finse, mit 1222 m Europas höchstgelegene Bahnstation, entgleist ein Zug der Bergenbahn in einer Schneewächte. Außer dem Lokführer gibt es keine Toten und nur Leichtverletzte. Zum Glück - denn ein orkanartiger Schneesturm verhindert alle Rettungsarbeiten. Die Bahnstation kann weder erreicht nocht verlassen werden.
Die Passagiere, unter ihnen die ehemalige Kommissarin Hanne Wilhelmsen, finden in den Häusern des Ortes und im Hotel "Finse 1222" Unterschlupf. Hanne, aufgrund einer Schußverletzung gelähmt und an den Rollstuhl gebunden, hat den Polizeidienst quitiert und lebt völlig zurückgezogen mit ihrer Lebensgefährten Nefis, ihrer Tochter Ida und der Haushälterin. Sie wünscht keinen Kontakt zu anderen Mitreisenden und ist dementsprechend abweisend.
Doch dann wird der bekannte Pfarrer und Vorsitzende der Staatskirchenkommission Cato Hammer in der Nacht ermordet. Obwohl Hanne keine Ermittlungen anstellen will, wird sie doch gegen ihren Willen in den Fall hineingezogen. Und in der nächsten Nacht wird ein Kollege Hammers, der Hanne den Mörder benennen wollte, ebenfalls ermordet.
Unter den Eingeschlossenen macht sich Panik breit. Der Sturm nimmt an Stärke zu, sodaß das Haus bald eingeschneit ist und man es nicht mehr verlassen kann. Nur mühsam scheint es dem Orkan zu trotzen, und bald wird auch die Verbindung zum angeschlossenen Appartementhaus zerstört.
Zur weiteren Verunsicherung trägt bei, daß am Zug ein Sonderwagon angehängt war, dessen Insassen zuerst gerettet wurden und die jetzt, von Bewaffneten abgeschirmt, in einem der Appartements wohnen. Ist es die norwegische Kronprinzessin? Oder vielleicht ein Terrorist, der nach Bergen verlegt werden sollte?
Anne Holt ist ein sehr spannender Roman gelungen, der die klassische Zehn-Negerlein-Situation ausweitet: eine völlig isolierte Gruppe von Menschen, festgehalten an einem durch äußere Umstände unzugänglichen Ort. Aber es ist eine moderne Version des bekannten Plots: wenn auch Schuld und Sühne eine wesentliche Rolle spielen, so sind es doch nur zwei Personen, die ein gewaltsames Ende finden.
Der Roman hätte durchaus vier Sterne verdient, wenn er nicht aus der Ich-Perspektive von Hanne Wilhelmsen geschrieben wäre. Hanne war in allen früheren Romanen, in denen sie die Hauptrolle spielte, eine distanzierte Person, die fast niemanden an sich heranließ und über die man nur wenig erfuhr. Das machte sie geheimnisvoll und interessant. Mit dem psychologisierenden Gelaber über ihre Befindlichkeiten, Gedanken und die Gründe ihres abweisenden Verhaltens verliert sie diese Aura. Anna Holt tut ihrer Lieblingsfigur hier keinen guten Dienst - sie ist nur nervig.
Fazit: Hätte Holt die Geschichte von außen geschrieben und Anne Wilhelmsen ihre geheimniskrämerische Aura gelassen, wäre es ein sehr guter, spannender Krimi geworden. So ist es ein guter, spannender Krimi mit einer ungewöhnlichen Ortswahl.

Ich hatte hoch gepokert. Viel zu hoch, aber ich hatte gewonnen. Ich war so sicher gewesen, dass der Revolver leer war, dass ich das Leben anderer aufs Spiel gesetzt hatte. Vielleicht war es doch richtig gewesen, bei der Polizei auszusteigen.
Aber es gab keinen vernünftigen Grund, einen Eiszapfen als Mordwaffe zu benutzen, wenn man einen Revolver hatte.

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