LeseTipp: Patrick DESGRAUPES/Einar Már JÓNSSON/Guillaume CANNAT, Island.

Bildband / Island

Patrick DESGRAUPES/Einar Már JÓNSSON/Guillaume CANNAT: Island. Patrick DESGRAUPES/Einar Már JÓNSSON/Guillaume CANNAT: Island.   Neu 
(Islande - Le sublime et l’imaginaire., 2005)
175 S, ISBN: 3-89660-350-7
München: Knesebeck Verlag, 2006

Bewertung
Bewertung: 5 Sterne

Rezension

Grandiose Fotografien einer ebensolchen Natur.
Patrick Desgraupes fotografiert analog mit einer 4x5-Inch Großformatkamera. Das ist mühsam (15-20 Kilogramm sind zu schleppen) und bedeutet, jedes Bild im Vorhinein im Kopf zu entwerfen, denn jede Aufnahme ist teuer. Es muß genau geplant, der richtige Standort festgelegt, das ideale Licht und auch die passende Jahreszeit müssen abgewartet werden.
Das Ergebnis sind Bilder mit einer unvergleichlichen Schärfe und Struktur. Bei der Großformatkamera kann man den vorderen und den hinteren Teil schwenken und verschieben, um so mehr Schärfentiefe zu erreichen und den Blickwinkel zu verändern, ohne den Standort wechseln zu müssen.
Aber die Technik alleine würde nicht ausreichen, um derart faszinierende Bilder zu erhalten. Desgraupes gelingt es, die Ungezähmtheit der isländischen Landschaft und Natur in seinen Bildern festzuhalten, sichtbar und spürbar zu machen. Und es sind keinesfalls Postkartenansichten, sondern überraschend wenige Aufnahmen der touristischen Sehenswürdigkeiten. Und die wenigen sind aus einer völlig ungewohnten Perspektive aufgenommen.
Der großformatige Druck auf Glanzpapier gibt die Fotografien gut wieder. Leider verschwinden die Ortsangaben manchmal im Falz, Angaben zum Aufnahmedatum fehlen leider und wären sehr interessant gewesen.
Ergänzt werden die Bilder durch zwei Textbeiträge: Einar Már Jónsson beschreibt den Vorgang der Landnahme, die Besiedelung Islands ab 874. Und er thematisiert auch die Gründe, warum sich Menschen in dieser oft abweisend wirkenden Landschaft niederließen. Einer der Gründe war, sich den Herrschaftsansprüchen der norwegischen Könige zu entziehen. Und andererseits war die Landschaft zu jener Zeit nicht so abweisend, sondern in manchen Teilen durchaus freundlich. Das Klima war wärmer, so daß auch Getreideanbau möglich war.
Guillaume Cannat beschreibt die verschiedenen Landschaften Islands, ihre Formen und Ausprägungen und die Gründe für ihre Entstehung. Er weist darauf hin, daß den Isländern das Vertrauen in die Zukunft, gestützt auf eine uralte Vergangenheit, fehlt: "Sie leben stets mit dem diffusen Gefühl einer Gandenfrist, die ihnen von einer unbeständigen und erbarmungslosen Umwelt gewährt wird." Vulkanismus und Erdbeben sind allgegenwärtig.
Fazit: Natürlich sind es vor allem die Fotografien von Patrick Desgraupes, die diese Buch so beeindruckend machen. Die Textbeiträge sind eine praktische Ergänzung.

Als ich eines Nachts aufwachte und vom Schlaf noch leicht benebelt war, schwirrte mir plötzlich ein Wort durch den Kopf: "Island". Trotz der frühen Stunde hielt mich nichts mehr im Bett; ich stand auf und schaute mir im Atlas das Land an, von dem ich zwar noch keine Vorstellung hatte, das mich aber dennoch bereits magisch anzog... (Patrick Desgraupes)

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