LeseTipp: John le CARRÉ, Marionetten.

Hamburg/Politthriller/

 John le CARRÉ: Marionetten. John le CARRÉ: Marionetten.
(A most wanted man., 2008)
366 S, ISBN: 978-3-550-08756-1
TB 08756
Berlin: Ullstein, 2008

Bewertung
Bewertung: 3 Sterne

Rezension

John le Carré verhandelt in diesem, wohl schon seinem Alterswerk zuzuordnenden, etwas betulichen Roman die Fragen von Wahrheit und Glaubwürdigkeit. Sind die Menschen das, was sie zu sein vorgeben?
Da gibt es den englischen Privatbankier Tommy Brue, in dessen Keller einige faule Geschäfte schlummern, die so gar nicht zu seinem und dem Image seiner Bank passen wollen. Und eine dieser Veranlagungen wird fällig.
Da ist der tschetschenische Flüchtling Issa, strenggläubiger Moslem, der in Hamburg Medizin studieren und seine Einbürgerung erlangen will. Er hat Anspruch auf die Veranlagung, sie soll ihm helfen, sein Ziel zu erreichen - aber das Geld selbst will er nicht, es sei Blutgeld.
Dann gibt es die Anwältin Annabel Richter von einer Flüchtlingshilfeorganisation, die Issa vertritt. Eine selbstbewußte Juristin, natürlich Vegetarierin und Radfahrerin. Entgegen aller juristischer Bedenken wird sie Issa verstecken.
Da ist auch noch der Geheimdienstveteran Günther Bachmann, im Zuge der Neuorganisation der deutschen Geheimdienste nach Hamburg ausgelagert. Er entdeckt Issa auf Videoaufzeichnungen und glaubt zunächst, einen gefährlichen tschetschenischen Terroristen vor sich zu haben. Und er merkt bald, daß auch englische und amerikanische Geheimdienste an dem Jungen Interesse haben.
Diese Verwicklungen und Unsicherheiten schildert le Carré ein wenig langatmig und umständlich, so daß der Spannungsbogen eher flach bleibt. Und im letzten Drittel beginnt man zu ahnen, wie die Sache enden wird.
Fazit: schon eher nicht mehr ein Spitzen-, sonder eher ein Alterswerk von John le Carré, mit der jahrzehntelangen Erfahrung des Autors solide konstruiert. Aber auch nicht mehr.

"Amerikanische Gerechtigkeit, du Penner. Was dachtest Du denn? Gerechtigkeit, die nicht lange fackelt. Knallharte Gerechtigkeit, die meine ich! Noch nie was von extraordinary rendition gehört? Wo man seine Verdächtigen in Drittstaaten verfrachtet, um sie durch die Mangel drehen zu können, ohne daß einem irgendwelche Juristenärsche Knüppel zwischen die Beine schmeißen?..."

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