LeseTipp: Robert BRACK, Schneewittchens Sarg.

Hamburg/Krimi/

 Robert BRACK: Schneewittchens Sarg. Ein Fall für Lenina Rabe. Robert BRACK: Schneewittchens Sarg. Ein Fall für Lenina Rabe.
189 S, ISBN: 978-3-89401-540-4
Hamburg: Nautilus, 2006

Bewertung
Bewertung: 2 Sterne

Rezension

Es ist keine besonders gute Idee, wenn ein Autor eine Frau zu seiner Hauptfigur macht. Denn dann entsteht ein Frauenbild, geformt nach den Vorstellungen, Annahmen (und Wünschen?) eines Mannes.
Bei Lenina Rabe geht das nicht gut. Sie wird gezeichnet als Kampfsportmeisterin, die problemlos drei Männer außer Gefecht setzt, natürlich Vegetarierin, alleinstehend und überhaupt sehr taff.
Im titelgebenden Fall geht es um ein junges Mädchen, dessen Leiche nach zwanzig Jahren bei Abbruch eines Hauses entdeckt wird. Das Haus war Teil eines selbstverwalteten, linken Sozialprojekts, mit dem Kinder aus sozial benachteiligten Schichten aus diesem etwas heruntergekommenen Viertel Altonas aufgefangen werden sollten. Der Autor lässt sicht natürlich nicht die Gelegenheit entgehen, über die Sozialutopiker, ihre chaotische Organisation, über ihr Scheitern am Ende und ihre Hinwendung zu kapitalistischen Organisationsformen und Karriere herzuziehen. Allerdings ist er selbst zu jung, um über authentisches Wissen aus dieser Zeit der 68er zu verfügen.
Findet dieser Fall noch eine halbwegs schlüssige Lösung, so endet der andere Fall, die dänische Piratentruppe, in einem unentwirrbaren Knäuel.
Fazit: Es gibt einige recht witzige und pointierte Dialoge und Sprüche, aber insgesamt ist die Suppe dünn und der Roman eher schwerfällig und langweilig. Und die Zeichnung der Hauptprotagonistin kann wenig überzeugen.

Der Kapitalismus ist seinem Wesen nach nihilistisch. Nur sagen darf man es nicht, weil es allen peinlich ist. Mir aber nicht. Und ich weiß, wovon ich rede, wenn ich dieses ganze alternative Sozialgesäusel verurteile. Ich hab da lange genug mitgemacht. Ich kenne diese verlogenen Weltverbesserer. Alle sollen auf den gleichen fadenscheinigen Lumpen liegen. Das will ich aber nicht, ich will goldene Badezimmer-Armaturen und weiche Betten und einen Rolls-Royce und alles mögliche andere, was ich hoffentlich noch kriege. Das ist normal! Alles andere ist purer Schwachsinn!

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