LeseTipp: Fritz PETRICK, Norwegen.

Norwegen/Chronik/

 Fritz PETRICK: Norwegen. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Fritz PETRICK: Norwegen. Von den Anfängen bis zur Gegenwart.
311 S., ISBN: 3-791-71784-7
Regensburg: Pustet, 2002

Bewertung
Bewertung: 4 Sterne

Rezension

Der Detailreichtum - unzählige Namen und Jahreszahlen - macht es manchmal schwierig, dem Inhalt zu folgen. Auch neigt der Autor ein wenig dazu, im Verlauf zu springen und auf Früheres zu verweisen, ohne dass man den Bezugpunkt sofort finden könnte.
Trotz dieser Einschränkungen liest sich das Buch sehr spannend, vor allem so ab der "Dänenzeit". Und es ist sicherlich die derzeit umfassendste historische Darstellung dieses faszinierenden Landes in Deutsch, wenn auch eher in der Tradition der deskriptiven Geschichtstheorie.
Man erfährt, daß Norwegen keineswegs bis zum Ölboom ein bitterarmes Land war, sondern es durch Handel und frühe Industrialisierung durchaus zu Wohlstand gebracht hatte. Man versteht, warum die Norweger nach der dänischen und der schwedischen Union der Europäischen Union so kritisch gegenüberstehen und sie so sehr auf ihre Unabhängigkeit Wert legen.
Petrick geht auch ausführlich auf das Trauma der deutschen Besetzung ein, die bei ihrem Rückzug nur verbrannte Erde hinterließ. Er thematisiert die Diskrimminierung der "Deutschenkinder", erwähnt jedoch nicht Himmlers Lebensborn-Heime und seinen Auftrag an die Soldaten, viele arische Kinder zu hinterlassen. Er beschreibt auch Norwegens frühe Hinwendung zur Sozialdemokratie und den daraus entstehenden Wohlfahrtsstaat, der sehr wesentlich zur Stärkung der ökonomischen Position Norwegens beitragen hat - und mittlerweile in einem falsch verstandenen Anpassungsdruck der Globalisierung teilweise geopfert wurde.
Fazit: Unverzichtbar für alle, deren Interesse an Norwegen über die Landschaft und Lachsfischen hinausgeht.

"Norwegen liegt ganz am Rande des europäisdchen Kontinents. Ihm wendet das Land, wie einmal gesagt wurde, den Rücken zu, der Nordsee und dem Atlantik das Gesicht. Traditionell orientieren sich die Norweger vor allem auf das vom Kontinent getrennte Großbritannien, für sie lange Zeit die Schutzmacht der Souveränität und Neutralität ihres Königreiches, während sie gegenüber ihren kontinentalen Nachbarn - Schweden und Dänemark - von einem tief verwurzelten 'Unionskomplex' beherrscht werden und die politischen Verhältnisse in einigen anderen Staaten des Kontinents mit einer gewissen Skepsis betrachten."

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