LeseTipp: Hans-Michael KOETZLE, René Burri.

Fotografen/René Burri/Bildband/

 Hans-Michael KOETZLE: René Burri. Fotografien. Hans-Michael KOETZLE: René Burri. Fotografien.
(zuerst 2004), 448 S, ISBN: 978-0-7148-9466-9
London: Phaidon Press, 2007

Bewertung
Bewertung: 5 Sterne

Rezension

Das schwerwiegende Resumée eines Fotografenlebens.
Schwerwiegend im wahrsten Sinn: 2,8 Kilogramm im Format 310x244 cm, 5,2 Zentimeter dick. Über 400 Aufnahmen aus dem Schaffen von René Burri - von seinem ersten Bild von Winston Churchill (1946, Zürich) über alle Stationen seines fotografischen Lebens: Schweiz, Picasso, Frankreich, Le Corbusier, Italien, Tschechoslowakei, Argentinien, Lateinamerika, Japan, Brasilien, Kuba, USA, NASA, Deutschland, Pakistan, Vietnam, Süfkorea, Afrika, China, Östliches Mittelmeer, Naher und Mittlerer Osten, Porträts von Zeitgenossen und Freunden.
Dazu kommt eine Chronologie, die Monografien und ausgewählte Reportagen, eine Filmografie, Übersicht über die Ausstellungen bis 2004 sowie ein Literaturüberblick. Eingeleitet wird die Werksschau mit einem Essay von Hans-Michael Koetzle. Fast das Lebenswerk von René Burri wird hier ausgebreitet. Was fehlt, ist das, was er selbst als sein "Doppelleben" bezeichnet: seine Farbfotos. Diese waren 2004 noch nicht geordnet, katalogisiert, katergorisiert. Sie erblickten 2013 in dem fast ebenso gewichtigen Werk Impossible Reminiscences das Licht der Öffentlichkeit.
Die Druckqualität auf dem ausreichend dicken, gedämpften Hochglanzpapier ist ausgezeichnet. Die Details und Tiefen der Schwarz-Weiß-Fotos kommen beeindruckend zur Geltung. Bei allen Fotos gibt eine Bildlegende mit Titel, Aufnahmeort und -datum. Leider steht diese quer zum Text/Bild in der Randspalte und ist damit nicht leicht lesbar. Denn dazu muß man das Buch drehen, was angesichts des Umfangs und des Gewichts kein leichtes Unterfangen ist. Praktisch: Die schmalen Randspalten sind verschiedenfärbig, korrespondierend mit den Kapiteln.
Die Einführung des Fototheoretikers und oftmaligen Kurators Hans-Michael Koetzle leuchtet den Umfang des fotografischen Schaffens von René Burri ebenso aus wie die Höhen und Tiefen seines Fotografenlebens: seine Kindheit und Ausbildung, sein starkes Interesse am Film, das situationsbedingt der Fotografie Platz machen musste. Burris Reisen in die meisten Winkel dieser Erde, seine Begegnung mit den bedeutenden Künstlern seiner Zeit, sein Engagement als Magnum-Fotograf.
Fazit: Ein schwergewichtiges Buch im besten Sinn, voll mit den Ikonen der Bildgeschichte, aber auch mit unbekannteren, aber um nichts weniger beeindruckenden Aufnahmen. Unverzichtbar, wenn man sich näher mit dem fotografischen Schaffen des heute über 80-jährigen Schweizer Fotografen René Burri befassen möchte.

Sucht man nach einer Klammer, nach einem gemeinsamen Nenner für die Fotografie von René Burri, man könnte sagen, er sein ein konstruktiver Fotograf. Das Entstehen von Dingen, die Geburt von Ideen, das (womögliche) Scheitern von Utopien hat ihn immer mehr interessiert als die pure Zerstörung, das Chaos, das Inferno. Burri, wenn man so will, ist der Fotograf der Visionen. Der gelebten Ideen, Utopien. Zu denen auch Revolutionen gehören. (Hans-Michael Koetzle, Einführung)

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