Emilia-Romagna: Chronik

900 v.Chr.
Mit der Einwanderung von Indogermanen beginnt das »eiserne Zeitalter« in Italien. Diese Kultur wird nach dem bedeutendsten Fundort bei Bologna „Villanova” genannt.
800 v.Chr.
Aus ihrem Kernland dringen Etrusker bis zur Po-Ebene vor. Gründung der Städte Felsina, des späteren Bologna, und Marzabotto. Spina wird bedeutendes Handelszentrum und Hafenstadt.
um 400-387 v.Chr.
Keltisch-gallische Bojer wandern nach Oberitalien ein. Die Schweinezucht wird eingeführt, die prägend für Landwirtschaft und Küche der Emilia bleiben sollte. Niedergang des Etruskerreiches.
ab 268 v.Chr.
Die Römer dehnen ihren Machtbereich auf Oberitalien aus: Gründung von Ariminium (Rimini, 268 v.Chr.), Placentia (Piacenza, 218 v. Chr.) und Bononia (Bologna, 189 v.Chr.)
220 v.Chr.
Die in Rom beginnende Via Flaminia wird bis Rimini ausgebaut.
187 v.Chr.
Konsul Marcus Aemilius Lepidus ordnet den Bau der nach ihm benannten Via Emilia an, die von Piacenza nach Rimini führt. Land und Städte werden nach einem Raster rechtwinklig sich schneidender Straßen angelegt
um 183 v.Chr.
Gründung der Städte Forum Livii (Forli), Mutina (Modena) und Parma.
49 v.Chr.
Gaius Julius Caesar, Statthalter der Provinz Gallia Cisalpina, überschreitet den Rubikon, der bei Ravenna in die Adria mündet, und marschiert gegen Pompeius Magnus nach Rom.
27 v.Chr.-14 n.Chr.
Unter Kaiser Augustus erlebt die Region eine Epoche des Friedens und des kulturellen Aufschwungs. Die ehemalige Provinz Gallia Cisalpina wird in Aemilia umbenannt. Die Städte erstrahlen in marmornen Prunkbauten. Bau des Kriegshafens Portus Classis bei Ravenna zur Verteidigung der Adria und der Handelswege in den Nahen Osten.
395
Teilung des Römischen Reiches in Westrom mit der Hauptstadt Mailand und Ostrom mit der am Bosporus gelegenen Hauptstadt Konstantinopel.
402
Der weströmische Kaiser Honorius verlegt seinen Hof zum Schutz vor den einfallenden Goten von Mailand nach Ravenna. Als Kapitale des Weströmischen Reiches übernimmt die Stadt das Erbe Roms und wird mit dem umliegenden Gebiet zur „Romania”. Unter Kaiser Honorius und seiner Halbschwester Galla Placidia erlebt Ravenna seine erste große kulturelle Blüte. Die Kirchenbauten schmücken prachtvolle frühchristliche Mosaik-Zyklen.
476
Der Germanenführer Odoaker (433-493) setzt den letzten weströmischen Kaiser Romulus Augustulus ab und errichtet die erste germanische Herrschaft in Italien.
493
Nach dem Sieg von Theoderich dem Großen (455-526) über Odoaker wird Ravenna Hauptstadt des Ostgotenreiches. Es entstehen prächtige Paläste und arianische Kirchen, die mit großartigen Mosaiken ausgeschmückt werden.
ab 527
Nach dem Tod Theoderichs und langjährigen Kämpfen gegen seine Nachfolger gliedert Kaiser Justinian Ravenna in das Oströmische Reich ein. Ausbau der Stadt zur ebenbürtigen Dependance von Konstantinopel.
568
Langobarden marschieren in Oberitalien ein und erobern die später nach ihnen benannte Lombardei sowie weite Teile des Umlands. Parma wird Sitz des langobardischen Herzogtums.
um 700
Der Übertritt des langobardischen Königshauses zum christlichen Glauben begünstigt die Gründung von Klöstern wie Bobbio, Pomposa und Nonantola.
751
Nach der Eroberung von Ravenna und der Vertreibung der Byzantiner bedrohen die Langobarden päpstliches Territorium. Der Papst ruft die Franken zu Hilfe.
756
Nach dem Sieg der Franken über die Langobarden überträgt der fränkische König Pippin III. (714-768) das gesamte Exarchat dem Papst und erhält im Gegenzug den erblichen Titel eines kaiserlichen „Patricius” (Schutzherr von Rom). Die Pippinische Schenkung bildet die Grundlage für die Entstehung des Kirchenstaates um Rom und Ravenna. Die Nachfolger Pippins sind jedoch nicht bereit, die Oberherrschaft des Papstes in diesen Gebieten anzuerkennen.
885
Ein Dokument erwähnt erstmals das Kloster von San Marino und bestätigt seine Unabhängigkeit von der Kirche und den umliegenden Bistümern.
962
Mit der Kaiserkrönung Otto I. durch den Papst wird das Kaisertum mit dem fränkisch-deutschen Königtum verbunden. Durch eine geschickte Heiratspolitik wird Otto zum Herrn über Mittel- und Oberitalien. Faktisch aber herrschen lokale Potentaten und Erzbischöfe. Besonders einflussreich sind die Markgrafen von Canossa.
um 990-1050
Der Benediktinermönch Guido d'Arezzo (922-1050) entwickelt in Pomposa das Sechstonsystem, Grundlage der heutigen Notenschrift.
1077
Hugo von Cluny, Heinrich IV. und Mathilde von Tuszien
Hugo von Cluny, Heinrich IV. und Mathilde von Tuszien
Cod. Vat. lat. 4922 (completetd in 1115 AD)
Quelle: Wikipedia
Auf dem Höhepunkt des Investiturstreites begibt sich Salierkönig Heinrich IV. auf die Festung Canossa, um im Büßergewand von Papst Gregor VII. die Lösung vom Kirchenbann zu erbitten.
1088
In Bologna wird die erste Universität Europas gegründet.

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12.Jh.
Blütezeit der Stadtrepubliken in Oberitalien, die sich im Bau stattlicher Kommunalpaläste niederschlägt. Gründung des Ersten Lombardischen Städtebundes gegen die kaiserlichen Rechtsansprüche Friedrichs I. Barbarossa (1122-1190).
Der romanische Stil verbreitet sich in der gesamten Emilia Romagna. Bau monumentaler Kathedralen. Erstmals treten individuelle Künstlerpersönlichkeiten aus dem Schatten anonymer Werkstätten wie der Baumeister Lanfranco und der Bildhauer Wiligelmus in Modena.
Ende 12.Jh.
Der Bildhauer und Baumeister Benedetto Antelami, Schöpfer der ersten italienischen Freifigur der Romanik, wirkt an den Domen von Parma und Fidenza.
1249
Sieg des Zweiten Lombardischen Städtebundes gegen die Staufer in der Schlacht von Fossalta bei Modena. Enzo, der Sohn von Kaiser Friedrich II., wird gefangen genommen.
ab 1250
Interne Parteienkämpfe verschiedener Familien und externe Machtansprüche führen zum Verlust der kommunalen Unabhängigkeit und zur Bildung von erblichen Signorien. In Ferrara, Modena und Reggio herrschen die Este, in Rimini die Malatesta, in Faenza die Manfredi, in Forli die Ordelaffi und in Carpi die Pio.
Anfang 14. Jh.
In Rimini bildet sich eine Malerschule heraus,die in der Nachfolge Giottos steht. Sie zeichnet sich durch einen sehr erzählerischen und expressiven Stil aus.
15. Jh.
Der Hof der Este in Ferrara avanciert zu einem blühenden Zentrum der Kunst, Literatur und Musik. Es entwickelt sich die Malerschule von Ferrara mit ihrem ungewöhnlich expressiven und bisweilen bizarren Malstil. Unter Ercole I. wird die Stadt ab 1492 im Stil der Renaissance schachbrettartig erweitert.
1475-1507
Cesare Borgia, der Sohn von Papst Alexander V., versucht als Herzog der Romagna ein Königreich zu bilden. Sturz der Malatesta in Rimini und der Sforza in Forli.
ab 1494
Oberitalien wird zum Hauptkriegsschauplatz im Konflikt zwischen Habsburg und Frankreich.
1545
Der Farnese-Papst Paul III. gründet das Herzogtum Parma-Piacenza und überträgt es seinem Sohn Pier Luigi Farnese.
1559
Im französisch-spanischen Frieden von Cateau-Cambresis werden Bologna und die Romagna dem Kirchenstaat zugeschlagen, die Farnese erhalten Parma und Piacenza und die Este Ferrara, Modena, Reggio und Carpi. San Marino bleibt unabhängige Republik.
Ende 16.Jh.
Unter der Carracci-Familie wird Bologna neben Neapel und Genua zur führenden Malermetropole.
1598
Nach dem Tod von Alfonso II. Este geht Ferrara als heimgefallenes Lehen an den Kirchenstaat zurück. Ein Nebenzweig der Este herrscht weiterhin in Modena, Reggio und Carpi.

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1732
Nach dem Aussterben der Farnese fällt das Herzogtum Parma-Piacenza zunächst an die spanischen Bourbonen, dann an Österreich.
1791
Giambattista Bodoni (1740-1813) gründet in Parma eine Druckerei. Als Schrifttypen benutzt er die von ihm erfundenen und später nach ihm benannten Bodoni-Lettern.
1796/97
Napoleons Truppen fallen in Norditalien ein. In Reggio kommt es zur Gründung der Cispadanischen Republik, der zunächst die freien Städte Bologna, Ferrara, Modena und Reggio angehören. Erstmals wird die grün-weiß-rote Trikolore gehisst, die später die Fahne des geeinten Italien werden sollte. Kurze Zeit später schließt sich auch die Romagna an.
1815
Der Wiener Kongress beschließt die Wiederherstellung des Kirchenstaates. Das Herzogtum Parma-Piacenza fällt an Österreich.
1843
In Rimini eröffnet die erste Badeanstalt.
1847
Mit der Entdeckung der heilkräftigen Quellen von Salsomaggiore nimmt der Thermalbadtourismus seinen Anfang.
1861
Fahne Italien  (1861-1946)
Fahne des geeinten Italiens (1861-1946)
Quelle: Wikipedia
Italien wird Königreich, Vittorio Emanuele II. (1820-1878) von Piemont erster konstitutioneller Monarch.
1870
Rom wird Hauptstadt des vereinigten Italiens.
1872
Beginn der Trockenlegung der Sumpflandschaft um Ferrara.
1877
Barilla, Firmenschild von 1910
Barilla, Firmenschild von 1910
Quelle: Barilla
Pietro Barilla gründet in Parma die gleichnamige Nudelfabrik.
1896
In Imola stellen Sozialisten erstmals in Italien eine Stadtregierung.

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1901
>Giuseppe Verdi
Giuseppe Verdi, Portrait von Giovanni Boldini, 1886
Quelle: Wikipedia
Der aus Roncole bei Busseto stammende Komponist Giuseppe Verdi (*1813) stirbt in Mailand.
1922
Der in Predappio geborene Benito Mussolini (1883-1945) übernimmt die Staatsgewalt in Italien.
1929
Enzo Ferrari gründet in Modena ein Automobilwerk.
1940
Eintritt Italiens in den Zweiten Weltkrieg.
1943-45
Partisanen leisten im Apennin erbitterten Widerstand gegen die deutschen Okkupationstruppen. Beim Kampf um die Linea Gotica werden zahlreiche Städte bombardiert. In Marzabotto begeht die SS Massaker an Zivilisten.
1946
Italien wird Republik.
1947
Die Region erhält offiziell den Namen Emilia Romagna.
1949
Beginn des großen Touristenbooms an der Adriaküste.
1952
Entdeckung der Erdgasvorkommen bei Ravenna.
1964
Der Maler Giorgio Morandi (*1890) stirbt bei Bologna.
1964/65
Trockenlegung der Valledi Mezzano bei Comacchio abgeschlossen.
1970
Einteilung des italienischen Staates in 20 Regionen.
1974
Der Regisseur Federico Fellini (1920-1993) setzt mit dem Film „Amarcord” seiner Heimatstadt Rimini ein Denkmal.
2.8.1980
Bei einem rechtsterroristischen Bombenanschlag auf dem Bahnhof in Bologna gibt es 85 Tote.
ab 1989
Forschungsschiffe kontrollieren die Wasserqualität der Adria.
1999
Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg gewinnt mit Giorgio Guazzaloca ein nicht-sozialistischer Bürgermeisterkandidat die Kommunalwahlen in Bologna - und muss sich bei den Wahlen 2004 wieder einem Sozialisten geschlagen geben.

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2003
Der in Parma ansässige Nahrungsmittelkonzern Parmalat muss Konkurs anmelden. Sein Gründer, Calisto Tanzi, hatte die Unternehmensbilanz fälschen lassen und so eine Bilanzlücke von 10 Milliarden Euro verheimlicht.
2007
Der aus Modena stammende Tenor Luciano Pavarotti (*1935) stirbt in seiner Heimatstadt.
2008
Die Parlamentswahlen in Italien im April kann Silvio Berlusconi für sich entscheiden und wird zum dritten Mal Regierungschef in Rom.
Anlässlich seines 100. Geburtstages gedenkt die Region Emilia Romagna mit Veranstaltungen in Brescello, Busseto und Roccabianca des Autors von „Don Camillo und Peppone”, Giovanni Guareschi.
2011
Feierlichkeiten im ganzen Land anlässlich des 150.Jahrestags der Einheit Italiens.
2012
Ein Erdbeben erschüttert Ende Mai das Gebiet zwischen Modena, Ferrara und Bologna.

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