Neu - Aktualisiert

19.09.2014 - neuer Lesetipp Cuba: Frank P. HERBST: Cuba
18.09.2014: neue Ausstellungen: mueller · gaida, Stuttgart | Chris Killip, Zürich
17.09.2014 - neuer Lesetipp Sizilien: Constanze NEUMANN: Gebrauchsanweisung
15.09.2014 - neuer Lesetipp Sizilien: Otto GÄRTNER: Sizilien
26.07.-09.08.2014: neue Bilderreise Jersey - Reisetagebuch Jersey

Mehr in
BilderReisen-Aktuell: der Blog

Nicht versäumen!
Nur noch bis

20. September 2014
Maria Cannizzo, Innsbruck
20. September 2014
Jacob Aue Sobol, Wien
21. September 2014
Von Liebermann bis Nolde, Hamburg
28. September 2014
Davide Monteleone, Frankfurt
28. September 2014
Julian Röder & Robert Capa, Erfurt
04. Oktober 2014
Peter Schlör, München
zurück zur Ausstellungsübersicht

Ausstellung: true stories - Amerikanische Fotografie aus der Sammlung Moderne Kunst, München

Flagge Deutschland

true stories, München

a213-ausstellungsbild

true stories - Amerikanische Fotografie aus der Sammlung Moderne Kunst
Pinakothek der Moderne
Barer Straße 40, 80333 München, Tel. +49 (0)89 23805-360
[02. März 2012 bis 14. Oktober 2012] | beendet

Webseite Ausstellung
Webseite Museum
Themenkontext: Dokumentarfotografie

[Die Bilder wurden mit Beendigung der Ausstellung aus copyright-Gründen entfernt]

Das zentrale Interesse der Fotografen gilt der American Social Landscape

Die amerikanische Fotografie bildet einen umfangreichen und zugleich hochkarätigen Sammlungsschwerpunkt, der erstmals in einem konzentrierten Überblick in der Pinakothek der Moderne vorgestellt wird. Das zentrale Interesse junger Fotografen, die sich seit den späten 1960er Jahren mit den veränderten politischen, gesellschaftlichen und ökologischen Bedingungen der amerikanischen Lebensrealität auseinandersetzen, gilt der „American Social Landscape”. Sie entwickeln neuartige Stilmittel, die zwischen individueller Weltsicht, analytischer Bestandsaufnahme und konzeptuellen Strategien oszillierend eine als genuin amerikanisch empfundene Bildsprache definieren. Während die schon heute zu den modernen Klassikern zählenden Fotografen Lee Friedlander, Garry Winogrand, Robert Adams, Lewis Baltz oder Larry Clark weiterhin der Schwarzweißfotografie verpflichtet bleiben, haben vor allem William Eggleston und Stephen Shore die Farbfotografie als künstlerisch eigenständige Ausdrucksform etabliert.

a213-2
Robert Adams (*1937), East from Flagstaff Mountain. Boulder County, Colorado, 1975, aus der Serie »From the Missouri West«
Foto © Robert Adams

Die Ausstellung führt rund 130 Werke zusammen, die sich sowohl dank der Siemens Fotosammlung als auch aufgrund von Erwerbungen, Stiftungen und Schenkungen in Museumsbesitz befinden. „true stories” spannt einen weiten Bogen von der subjektiv intendierten Straßenfotografie der 1960er Jahre über die betont sachlichen Landschaftsstudien der sogenannten „New Topographics” bis hin zu konzeptuell angelegten Arbeiten von John Baldessari und Dan Graham und beendet den Rundgang mit dem erst vor einigen Jahren entstandenen New York-Zyklus der Künstlerin Zoe Leonard, der gleichermaßen ein Hohelied wie den Abgesang auf die analoge Fotografie darstellt.

a213-1
Nicholas Nixon (*1947), View of State Street, Boston 1976, aus der Serie »Boston Views«, 1974-1976
Foto © Nicholas Nixon

Mit der Ausstellung „New Documents” läutete der einflussreiche Foto-Kurator am New Yorker Museum of Modern Art, John Szarkowski, im Frühjahr 1967 eine neue Ära der amerikanischen Fotografie ein. Die vertretenen Fotografen, neben Diane Arbus, Lee Friedlander und Garry Winogrand, standen für eine veränderte Haltung innerhalb der dokumentarischen Fotografie, die ausschließlich von der subjektiven Sicht auf die Wirklichkeit des einzelnen bestimmt war. Der Gegenstand des fotografischen Interesses war die „American Social Landscape” und ihre Bedingungen. Es ging dabei weniger um die Natur-Landschaft und deren zunehmende kulturelle Überformung, als um den urbanen oder urbanisierten Raum und das Agieren des Menschen in ihm. Dabei verweigerten sich die neuen Dokumentaristen einem offenkundigen aufklärerischen Impetus, sondern wendeten sich dem Alltäglichen und Gewöhnlichen zu.

a213-3
Lee Friedlander (*1934), Route 9W, New York, 1969
Foto © Lee Friedlander

Eine Gegenbewegung zu dieser subjektiven Ausdrucksform stellte die Ausstellung „New Topographics: Photographs of a Man-Altered Landscape” dar, die Mitte der 1970er Jahre vom International Museum of Photography in Rochester organisiert wurde und 2011 als re-make etwa im Nederlands Fotomuseum in Rotterdam und im Bilbao Fine Arts Museum zu sehen war. Ihre Protagonisten, unter ihnen Robert Adams, Lewis Baltz, Nicholas Nixon und Stephen Shore, beriefen sich zwar ebenfalls auf eine dokumentarische Haltung und Vorbilder wie Walker Evans und Robert Frank, doch sahen sie sich vor allem in der Tradition der topographischen Fotografie des 19. Jahrhunderts. Als wesentlicher Initiator dieser ausdrücklich nicht um Stil bemühten Arbeitsweise gilt der in Los Angeles ansässige Künstler Ed Ruscha. Eine distanzierte, analytisch anmutende und zugleich urteilsfreie Beschreibung ist ihr zentrales Anliegen, ihr Thema die vom Menschen veränderte Landschaft. Es ist vor allem das von Mythen und Wunschvorstellungen geprägte Bild des amerikanischen Westens, das durch Kommerzialisierung und ökologischen Raubbau schon lange von der Realität eingeholt wurde, das in ihren Werken sichtbar wird.

a213-4
Stephen Shore (*1947), La Brea Avenue & Beverly Boulevard, Los Angeles, California, 1975
Foto © Stephen Shore

Der entscheidende Quantensprung auf dem Weg zur Etablierung der Farbfotografie vollzog der Südstaatler William Eggleston mit seiner 1976 ebenfalls im New Yorker Museum of Modern Art gezeigten Ausstellung sowie der Veröffentlichung des „William Eggleston's Guide”. Die harsche öffentliche Kritik an seinen Bildern galt nicht dem Einsatz von Farbe, sondern dem Umstand, dass Eggleston bis dato als nicht bildwürdig erachtete Dinge und Alltagssituationen - der Blick in ein vereistes Kühlfach oder auf ein Früchtestillleben - aus dem Moment heraus und scheinbar nachlässig fotografierte, um sie dann mittels des kostspieligen und aufwendigen Dye-Transfer-Verfahrens in exquisite Prints zu übersetzen. In Egglestons Bilderkosmos, der stark von der Motivwelt und dem Licht des Mississippi Deltas geprägt ist, ist Farbe bildkonstituierend. Der mit dieser Ausstellung einsetzende „rush to colour” führte in den folgenden Jahren zu einer flächendeckenden Durchsetzung der Farbfotografie im Bereich der künstlerischen Fotografie, von den USA (Saul Leiter) ausgehend auch in Europa und vor allem in Deutschland (Ernst Haas).

a213-5
William Eggleston (*1939), Aus »Southern Suite« (zehntlg.), 1981
Foto © Eggleston Artistic Trust
a213-6
Larry Clark (*1943), Tulsa, 1972
Foto © Larry Clark

Mit Ende der 1970er Jahre etablierte sich eine künstlerische Haltung, die unter Rückgriff auf vorgefundenes Bildmaterial aus Kunst, Film, Werbung oder den Massenmedien neue Bildvorstellungen formuliert und im gleichen Atemzug tradierte künstlerische und kunsthistorische Kategorien wie Autorenschaft, Originalität, Einzigartigkeit, geistiges Eigentum und Authentizität zur Diskussion stellt. Als Impressario dieser Appropriation Art gilt der in Kalifornien lebende und lehrende Künstler John Baldessari, als einer ihrer bekanntesten Vertreter Richard Prince, der vor allem durch seine künstlerischen Adaptionen von Werbebildern bekannt wurde. Aber auch die Konzeptkunst der 1960er und 70er Jahre bediente sich der Fotografie, sowohl als Teil einer mit unterschiedlichsten Materialien agierenden künstlerischen Praxis als auch als singuläres Medium, um Aktionen, Happenings oder Performances zu dokumentieren. Wie das Werk von Dan Graham oder Zoe Leonard deutlich macht, sind die ehemals strikten Grenzen zwischen einer Fotografie, die sich auf die eigene, medienimmanente Geschichte bezieht, und der Verwendung von Fotografie als bildnerische Strategie im Kontext zeitgenössischer Kunst fließend geworden.

Die Ausstellung zeigt Werke von Robert Adams (* 1937 Orange/New Jersey) | John Baldessari (* 1931 National City/Kalifornien) | Lewis Baltz (* 1945 Newport Beach/Kalifornien) | Larry Clark (* 1943 Tulsa/Oklahoma) | William Eggleston (* 1939 Memphis/Tennessee) | Lee Friedlander (* 1934 Aberdeen/Washington) | John Gossage (* 1946 New York City) | Dan Graham (* 1942 Urbana/Illinois) | Zoe Leonard (* 1961 Liberty/New York) | Nicholas Nixon (* 1947 Detroit/Michigan) | Richard Prince (* 1949 Panama-Kanal-Zone) | Martha Rosler (* 1943 New York City) | Judith Joy Ross (* 1946 Hazleton/Pennsylvania) | Ed Ruscha (* 1937 Omaha/Nebraska) | Stephen Shore (* 1947 New York City) | Garry Winogrand (* 1928 New York City; † 1984 Tijuana, Mexiko)

Top
AusstellungsTipps Ernst Haas, Zürich Joel Sternfeld, Amsterdam Early Color, München Saul Leiter, Hamburg John Gossage, Hannover
zurück zur Ausstellungsübersicht