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Ausstellung: Hannes Kilian - Im Wechselspiel des Lichts, Stuttgart

Flagge Deutschland

Hannes Kilian, Stuttgart

ausstellungsbild

Hannes Kilian - Im Wechselspiel des Lichts
Galerie Schlichtenmaier Stuttgart
Kleiner Schlossplatz 11, 70173 Stuttgart,
Tel. +49 (0)70 3341394
[02. Februar 2012 bis 17. März 2012] | beendet

Webseite Ausstellung
Webseite Galerie
Webseite Hannes Kilian
Themenkontext: Fotojournalismus

Seine Fotografien dokumentieren die bewegte Geschichte eines halbes Jahrhunderts

Hannes Kilians (1909-1999) kontrastreiche Schwarz-Weiß-Aufnahmen, mit denen er zu einem der bedeutendsten Fotografen Deutschlands avancierte, dokumentieren Geschichte über mehr als ein halbes Jahrhundert hinweg. Sie stehen darüber hinaus für ein Lebenswerk, das weit über den Zeitbezug hinausweist und allgemeingültige ästhetische Akzente setzt.

Hannes Kilian, Heimkehrer, 1945
Silbergelatineabzug, 50 x 60 cm, Vintage Print
Foto © Hannes Kilian

1909 in Ludwighafen am Bodensee geboren, konnte Kilian sich nach einem ereignisreichen Leben erst im Alter von 35 Jahren als Fotograf frei entfalten. Nachdem er 1933 Deutschland unter der Herrschaft der Nationalsozialisten verlassen hatte, schlug er sich nach den Lehrjahren in der Schweiz als Fotograf zunächst mit geliehenen Kameras in Italien und Frankreich durch. 1938 zur Rückkehr nach Deutschland gezwungen, wurde er 1941 als Kriegsberichterstatter eingezogen und drei Jahre später schwer verwundet aus der Wehrmacht entlassen.

Hannes Kilian, World Trade Center (mit Wäscheleine), 1977
Silbergelatineabzug, 28,2 x 24 cm, Vintage Print
Foto © Hannes Kilian

Kilians Bilder sind bereits früh, trotz der durchlebten Kriegswirren, von einem Sinn für Ordnung geprägt. Der Wille, seine Motive bereits im Moment der Erfassung mit der Kamera kompositorisch zu ordnen, sie auf eine Mittelachse auszurichten oder mit einem klar durchzogenen, linearen Gerüst zu versehen, zieht sich wie ein roter Faden durch sein gesamtes Werk. Mit Vorliebe erfasst er die Architektur aus Positionen extremer Unter- oder Aufsicht. Bilder von Säulen, Pyramiden, Fassaden, Fensterreihen, Wolkenkratzer, Stahlgerüste von Brücken und Industrieanlagen verdeutlichen seine ihn zeitlebens begleitende Neigung zur Geometrie in gleichem Maße wie die Nahansicht eines Maschendrahtzaunes, der Blick auf die Reihen leerer Theatersessel und Restauranttische oder die Visualisierung serieller Industrieprodukte in abstrahierenden Perspektiven. Zur Steigerung des klar gegliederten Bildaufbaus entschied sich Kilian für die Fernsicht, oft unter Verwendung eines Weitwinkelobjektives, um den vorderen Bildraum zu verbreitern. Das Teleobjektiv dagegen zieht er heran, um eine zu starke räumliche Wirkung zu verwerfen und das Bild zu einem einheitlichen Ganzen zu organisieren. Diese Effekte distanzieren und objektivieren zugleich den subjektiven Blick, der Kilians ästhetischem Grundmuster unterworfen bleibt.

Hannes Kilian, Stuttgarter Ballett „Apollon Musagète”, 1970
Silbergelatineabzug, 60 x 50 cm, verso signiert: Hannes Kilian, Vintage Print
Foto © Hannes Kilian

Seit 1944 war Kilian als überaus erfolgreicher Ballett- und Theaterfotograf tätig. Die 1961 von Generalintendant Walter Erich Schäfer veranlasste Berufung John Crankos zum Direktor des Stuttgarter Balletts erwies sich für ihn als fruchtbare Bereicherung. Er begleitete und dokumentierte die „Ära Cranko”, in der sich so talentierte Tanzpersönlich­keiten wie Marcia Haydée, Egon Madsen, Richard Cragun, Birgit Keil, Ray Barra und Susanne Hanke auf dem Höhepunkt ihres Ruhmes versammelten. Mit der großen Sicherheit und Versiertheit seiner bisherigen Seh- und Berufserfahrung wusste Kilian bei der Bühnenfotografie die intensivsten und aussagekräf­tigsten Momente zu erkennen. So gelingt es ihm in seinen Ballettfotografie-Serien eindrücklich, die Bewegung im Augenblick eines flüchtigen Momentes festzuhalten.

Hannes Kilian, Die Pause, 1958
Silbergelatineabzug, 23,5 x 28 cm, Vintage Print
Foto © Hannes Kilian

Menschenleer gehaltene fotografische Arbeiten stehen bei Kilian in keinerlei Widerspruch zu Bildern mit Figurenstaffage oder seinen Porträtbildern, die von einem tiefgründigen Einblick in die menschliche Seele zeugen. Immer wieder werden Menschen als ein wichtiger Bestandteil des Lebens in die Bildwelt miteinbezogen. Dass diese häufig vom Betrachter abgewandt sind, birgt ein geheimnisvolles Element in sich. In der Kombination von Architektur und Mensch erreicht Kilian seine eigenständigen Höhepunkte. Er fokussiert mit seinem Objektiv das Motiv und setzt die Nahsicht auf dramatische Weise ein, sodass es ihm gelingt, die Zusammenhänge zu durchdringen und mit seinem Blick den Schein der Welt sowohl ins Reale als auch ins Surreale zu rücken.

„Wie bei vielen deutschen Pressefotografen ist auch bei Hannes Kilian die Schönheit der Bilder kein Selbstzweck. Die gut dreihundert Fotos, die der Kurator Klaus Honnef für die Berliner Ausstellung ausgewählt hat, sind ohnehin nur Splitter aus dem Felsengebirge der halben Million Negative, die Kilian hinterlassen hat. Trotzdem erkennt man in fast allen die individuelle Spur, die den Unterschied zwischen großer und kleiner Fotografie ausmacht. Ein Bild, das man gern anschaut, können heute viele aufnehmen. Kunst ist, wenn das Bild zurückschaut, so wie hier.” (Andreas Kilb, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13. April 2009)

Hans Kilian (1909-1999) absolvierte nach dem Besuch des Gymnasiums und der Spoerschen Handelsschule in Überlingen eine dreijährige Fotografenlehre im schweizerischen Kreuzlingen. Im Anschluss arbeitete er von 1931 bis 1933 bei der Fotografie-Firma Grau in Luzern. Während der Wirtschaftskrise verlor er seine Arbeitserlaubnis für die Schweiz und kehrte nach Deutschland zurück.
Vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten flüchtete er nach Neapel, übersiedelte aber 1936 nach Paris. Mit dem Entzug seiner Arbeitserlaubnis kehrte er 1938 nach Stuttgart zurück und arbeitete als Fotojournalist. 1941 wurde er als Kriegsberichterstatter zur Wehrmacht eingezogen und im Russlandfeldzug eingesetzt. Nach Kriegsende arbeitete er wieder als freischaffender Fotojournalist.

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LiteraturTipp

Hannes Kilian.HONNEF, Klaus [Hrsg.]: Hannes Kilian. 1909 - 1999.
351 S. ISBN: 978-3-7757-2368-8
Ostfieldern: Hatje Cantz Verlag, 2009

Zum 100. Geburtstag von Hannes Kilian: eine glänzende Monografie zum gesamten Werk des herausragenden deutschen Fotografen der Nachkriegszeit.
Als Fotograf großer Ballette genießt Hannes Kilian (1909-1999) Weltruf. Mit seinem außergewöhnlichen Gespür für das Phänomen der Bewegung verstand er es, dem statischen fotografischen Bild Schwung zu verleihen. Die besten Voraussetzungen auch für einen erfolgreichen Fotojournalisten. Kilian arbeitete für die bedeutendsten Zeitungen und Zeitschriften, darunter TIME Magazine und Picture Post, Spiegel und stern, und veröffentlichte zahlreiche Bücher. Sein Werk, das in diesem Band zusammen mit bisher nie oder nur vereinzelt veröffentlichten Bildern aus dem Archiv des Künstlers ausführlich vorgestellt wird, umfasst mehr als ein halbes Jahrhundert europäischer und deutscher Geschichte: Die Weltausstellung in Paris 1937, die Kriegs- und Nachkriegszeit in Deutschland - mit den bestürzenden Dokumenten des zerstörten Stuttgart, den Aufnahmen des geteilten Berlin sowie den Bildern des Wiederaufbaus von der Währungsreform bis zum Ende des Wirtschaftswunders - bilden neben seinen Anfängen in Italien und Frankreich die Schwerpunkte. Als Reisefotograf erkundete Kilian die Welt, lange bevor die Deutschen Weltmeister im Reisen wurden. [Verlagstext]

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AusstellungsTipp Hannes Kilian, Berlin Hannes Kilian, Stuttgart (2)
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