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Ausstellung: Hannes Kilian - Bei Nacht, Berlin

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Hannes Kilian, Berlin

ausstellungsplakat

Hannes Kilian - Bei Nacht
Johanna Breede PHOTOKUNST
Fasanenstraße 69, 10719 Berlin, Tel. +49 (0)30 88683123
[21. Jänner 2012 bis 24. März 2012] | beendet

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Webseite Galerie
Webseite Hannes Kilian
Themenkontext: Reisefotografie, Fotojournalismus

Über mehrere Jahrzehnte erzählen seine Bilder von deutscher Geschichte, vom Leben in Kriegstrümmern, von Neuanfang und Wirtschaftswunder, von großen Gesellschaften und kleinen Leuten.

Hannes Kilian, Paris 1937
Foto © Hannes Kilian, Courtesy Johanna Breede PHOTOKUNST

In seiner Arbeit als Photojournalist, Reise- und Portraitphotograph sowie Photo­graph des legendären Stuttgarter Balletts hat Hannes Kilian auf unver­wechselbare Weise Dokumen­tarisches, menschlich Berüh­rendes und künstlerisch Gültiges vereint. Mit Gespür und Präzision, die technischen und ästhetischen Möglich­keiten des Mediums Photo­graphie voll ausschöpfend, erkannte er das ausdrucksvolle Motiv im Alltäglichen und scheinbar Zufälligen. Dabei ist Kilians Sicht durchaus sub­jektiv. Beleuchtung, Blickwinkel und Bildausschnitt spiegeln seine ganz persönliche Wahrnehmung und Empfindung, enthalten mitunter eine Wendung ins Unwirkliche wie etwa in „Fresswelle” (1956) das Panorama des üppig beladenen Buffets.

 

Hannes Kilian, Hauptbahnhof Stuttgart, 1964
Foto © Hannes Kilian, Courtesy Johanna Breede PHOTOKUNST

In der Wartehalle eines Bahnhofes: Unter einer geheimnisvoll schimmernden Uhr sitzt eine Gruppe von Wartenden im diffusen Halbdunkel, der Blick wird zunächst von der aufgeschlagenen Zeitung im Vordergrund eingefangen. Doch der eigentliche Fokus des Photographen liegt auf dem dahinter sitzenden Mann, seinen gefalteten Händen und dem ernst in die Ferne schauenden Gesicht. Am linken Bildrand erscheint silhouettenhaft eine schwarze Gestalt vor einer Lichttafel. Hannes Kilian liebte die Magie der Nacht, die die Menschen verändert und auf besondere Weise mit ihrer Umgebung verschmelzen läßt. Seine auf Spannungen und Kontrasten aufbauende, oft hintergründige Bildsprache fand in der Nachtaufnahme ihre wohl charakteristischste Ausprägung. Hell und Dunkel treffen unvermittelt aufeinander, rhythmische oder lineare Spuren aus Licht schaffen Bewegung und Raumtiefe, während Schwarz als Kompositionselement eigenständige Ausdruckskraft entfaltet.

© Hannes Kilian, Lichtturm des Pavillon de la Marine Marchande, Weltausstellung, Paris 1937
Foto © Hannes Kilian, Courtesy Johanna Breede PHOTOKUNST

In der Nacht kehrt sich die Tageswirklichkeit um, Kilian ent­deckt die Elemente des Phantastischen, spitzt sie bild­nerisch zu, ohne pittoresk zu werden, etwa in der futuristisch anmutenden Licht­erscheinung des „Pavillon de la Marine Marchande” auf der Pariser Weltausstellung 1937 oder in den geister­haften Passanten vor der Kulisse leuchtender Reklame­schrif­ten in „München” (1964). Überhaupt spielt Schrift in den Bildern von Hannes Kilian eine bezeich­nende Rolle, sei es im intimen Blick auf den nächtlichen Zeitungsleser, sei es als prägendes Element im urbanen Straßenbild, sei es als irri­tierendes, eine Fülle von Assoziationen weckendes Moment, das erst im Augenblick künstlerischer Brechung durch die Kamera wahrgenommen wird. Insbesondere in den Nachtaufnahmen zeigt sich, dass Hannes Kilian mehr war als ein Chonist. Er sah die großen Zusammenhänge, das Lebensgefühl seiner Zeit ebenso wie die leisen Irritationen und Widersprüchlichkeiten, Augenblicke, die andere verpassten. (Susanne Schmid)

Hannes Kilian, „Paris Soir”, 1937
Foto © Hannes Kilian, Courtesy Johanna Breede PHOTOKUNST
Hannes Kilian, Fort Hood - Texas, 1963
Foto © Hannes Kilian, Courtesy Johanna Breede PHOTOKUNST

Hans Kilian (1909-1999) absolvierte nach dem Besuch des Gymnasiums und der Spoerschen Handelsschule in Überlingen eine dreijährige Fotografenlehre im schweizerischen Kreuzlingen. Im Anschluss arbeitete er von 1931 bis 1933 bei der Fotografie-Firma Grau in Luzern. Während der Wirtschaftskrise verlor er seine Arbeitserlaubnis für die Schweiz und kehrte nach Deutschland zurück.
Vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten flüchtete er nach Neapel, übersiedelte aber 1936 nach Paris. Mit dem Entzug seiner Arbeitserlaubnis kehrte er 1938 nach Stuttgart zurück und arbeitete als Fotojournalist. 1941 wurde er als Kriegsberichterstatter zur Wehrmacht eingezogen und im Russlandfeldzug eingesetzt. Nach Kriegsende arbeitete er wieder als freischaffender Fotojournalist.

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LiteraturTipp

Hannes Kilian.HONNEF, Klaus [Hrsg.]: Hannes Kilian. 1909 - 1999.
351 S. ISBN: 978-3-7757-2368-8
Ostfieldern: Hatje Cantz Verlag, 2009

Zum 100. Geburtstag von Hannes Kilian: eine glänzende Monografie zum gesamten Werk des herausragenden deutschen Fotografen der Nachkriegszeit.
Als Fotograf großer Ballette genießt Hannes Kilian (1909-1999) Weltruf. Mit seinem außergewöhnlichen Gespür für das Phänomen der Bewegung verstand er es, dem statischen fotografischen Bild Schwung zu verleihen. Die besten Voraussetzungen auch für einen erfolgreichen Fotojournalisten. Kilian arbeitete für die bedeutendsten Zeitungen und Zeitschriften, darunter TIME Magazine und Picture Post, Spiegel und stern, und veröffentlichte zahlreiche Bücher. Sein Werk, das in diesem Band zusammen mit bisher nie oder nur vereinzelt veröffentlichten Bildern aus dem Archiv des Künstlers ausführlich vorgestellt wird, umfasst mehr als ein halbes Jahrhundert europäischer und deutscher Geschichte: Die Weltausstellung in Paris 1937, die Kriegs- und Nachkriegszeit in Deutschland - mit den bestürzenden Dokumenten des zerstörten Stuttgart, den Aufnahmen des geteilten Berlin sowie den Bildern des Wiederaufbaus von der Währungsreform bis zum Ende des Wirtschaftswunders - bilden neben seinen Anfängen in Italien und Frankreich die Schwerpunkte. Als Reisefotograf erkundete Kilian die Welt, lange bevor die Deutschen Weltmeister im Reisen wurden. [Verlagstext]

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AusstellungsTipp Hannes Kilian, Stuttgart (1)
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